Kein Witz

Es war einer meiner Lieblingswitze. Damals. Vor 1989. Oft erzählt im Sargdeckel. Oder im Zentral. Im Turm oder im Starken Arm. Gelacht wurde viel. Manchem blieb das Lachen aber auch im Hals stecken. Weil es eigentlich kein Witz war. Sondern bittere Realität. Nun ist es Zeit, ihn mal wieder zu erzählen. Denn in Berlin und speziell auf der Flughafenbaustelle in Schönefeld ist dieser Witz ebenfalls kein Witz.

Eine Schlosserbrigade in einem volkseigenen Betrieb (VEB) der DDR hatte mal wieder kein Material zur Verfügung und außerdem auch noch ein wenig geschlampt. Der Plan wurde nur zu 60 Prozent erfüllt. Sagt der Meister: Jungs, das ist Scheiße. Ich muss wenigstens 80 Prozent nach oben melden mit dem Versprechen, die restlichen 20 Prozent schnell aufzuholen. Ja, ja. Mach mal.

Der Meister meldet seinem Abteilungsleiter 80prozentige Planerfüllung. Sagt der Abteilungsleiter: Spinnt Ihr? Ihr wisst ganz genau: Ich muss mindestens 100 Prozent beim Kombinatsdirektor melden. Sonst reißen die uns den Kopf ab. Und besser wäre natürlich eine Planübererfüllung. Also, Ihr wisst bescheid. Ja, ja. Mach mal.

Der Abteilungsleiter meldet in der Kombinatsleitung 100 Prozent Planerfüllung. Sagt der Kombinatsdirektor: Walter, Du weißt ganz genau: Ich muss in Berlin Plan-Übererfüllung melden. Der 1. Mai steht vor der Tür. Wie stehen wir denn da als Bezirk? Macht Euch Gedanken, wie Ihr das hinbekommt. Ja, ja. Mach mal.

Der Kombinatsdirektor in Berlin beim Minister für Schwermaschinen- und Anlagenbau: Wir haben den Plan mit 120 Prozent erfüllt. Sagt der Minister: Prima. Können wir 60 Prozent in den Westen exportieren.

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Situationen & Lügen

Irgendwie kommt mir das alles bekannt vor. Hier eine Situation, damals eine Situation. Heute Lügen, damals Lügen. Alles wird besser, aber nichts wird gut.

Erklärung von Klaus Wowereit, Matthias Platzeck und Rainer Bomba zur Zukunft der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg GmbH (FBB)

Am heutigen Montag haben die Vertreter von Berlin, Brandenburg und dem Bund als Anteilseigner der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg FBB die Situation erörtert, die durch die Mitteilung des technischen Geschäftsführers der FBB vom Ende vergangener Woche zum bisher geplanten Eröffnungstermin entstanden ist. An dem Treffen nahmen der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, Ministerpräsident Matthias Platzeck und Verkehrs-Staatssekretär Rainer Bomba teil.

Im Gespräch mit der Geschäftsführung ist insbesondere über die Terminsituation gesprochen worden. Der technische Geschäftsführer Amann hat die Gründe dafür dargelegt, dass aus seiner Sicht eine Eröffnung des Flughafens am 27. Oktober 2013 nicht mehr machbar ist.

Verabredet wurde, dass die bisher für den 25. Januar 2013 geplante Aufsichtsratssitzung auf Mittwoch, den 16. Januar vorgezogen wird. Auf der Tagesordnung wird unter anderem die Neuordnung der Geschäftsführung stehen. Der Aufsichtsratsvorsitz soll künftig von Brandenburger Seite wahrgenommen werden.

Die Gesellschafter erwarten, dass die Geschäftsführung in der Aufsichtsratssitzung detailliert die weiteren Schritte zur Fertigstellung des Flughafens BER und dazu die nötigen Maßnahmen darstellt.

50 Jahre zuvor:

Erklärung der Regierung der DDR

Berlin (ADN). Der Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik nahm in seiner Sitzung am 17. April 1952 zur gegenwärtigen für das deutsche Volk äußerst ernsten Situation Stellung und beschloß folgende Erklärung:

Das Ersuchen der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik an die Besatzungsmächte vom 13. Februar dieses Jahres, die Einheit Deutschlands wiederherzustellen und Deutschland endlich einen Friedensvertrag zu geben, entsprach dem einmütigen Wunsche und dem Friedenssehnen unseres Volkes. Die Regierung der UdSSR hat mit ihrer Note und ihrem Vorschlag vom 10. März 1952 diese berechtigten Forderungen des deutschen Volkes anerkannt und den Regierungen der USA, Englands und Frankreichs konkrete Maßnahmen zu ihrer Verwirklichung vorgeschlagen. Die Regierungen dieser Länder aber haben in ihrer Antwortnote an die Sowjetregierung Ausflüchte gesucht und die Taktik der Verschleppung angewandt, indem sie sich weder mit der Erörterung des sowjetischen Entwurfes der Grundlagen eines Friedensvertrages mit Deutschland einverstanden erklärten noch eigene Vorschläge machte.

 

Begehrt das Volk noch ein Volksbegehren?

Kaum ist das eine vom Tisch, gibt es schon das nächste Volksbegehren in Berlin. Diesmal geht es um alles oder nichts, um Kopf oder kopflos. Und wieder einmal sind es die Tempelhofer Befürworter. Die Inintiative Be-4-Tempelhof e.V. will doch tatsächlich den Senat abwählen. Schluss mit lustig, heißt es da, und Klaus Wowereit und Genossen in den Ruhestand. Die machtkorrupten Genossen müssten nun aus dem Amt gejagt werden.

50.000 Stimmen sind nötig, um das Volksbegehren anzuschieben. Dann müssen 488.000 Berliner den Volksentscheid unterschreiben. Das ging schon einmal schief. Allerdings hat diese Bürgerinitiative einen großen Vorteil: Während bei Tempelhof nur in Bürgerämtern abgestimmt werden durfte, können nun die Unterschriften überall gesammlt werden. Aber begehrt das Volk solch ein Volksbegehren?

Laut letzten Umfragen nämlich nicht. 57 Prozent der Berliner sind immer noch mit der Arbeit des Regierenden Bürgermeisters Klasus Wowereit zufrieden.  Bei Gegenkandidat Friedbert Pflüger ist es genau umgekehrt: 51 Prozent sind mit seiner Arbeit unzufrieden. Schlechte Karten für eine Entscheidung gegen Wowereit.