DIE UNTERSCHÄTZTE KUNST DES SCHEITERNS UND WEITERE MYSTERIEN IM LEBEN VON MENSCHEN UND ANDEREN KLEINTIEREN

Die, die die Welt verändern, sind keinesfalls die Langweiler. Es sind die Vordenker, die anderen, die Kurzweiler. Die unfreiwilligen Helden, deren Scheitern in der Luft liegt und das sie trotz dessen zu jenen macht, die sie sind: mutiger als andere, ein bisschen besser – ja auch, schlauer – nicht unbedingt. Und über jene schreibt Marion Alexa Müller in dem Buch DIE UNTERSCHÄTZTE KUNST DES SCHEITERNS UND WEITERE MYSTERIEN IM LEBEN VON MENSCHEN UND ANDEREN KLEINTIEREN. Ein Buch zum Staunen über sich und andere und zum Stolpern über die oft unterschätzte Banalität unseres Lebens. Auch über allzu oft überraschende und zu früh endende Leben. Denn so mancher Held bezahlt einen hohen Preis für sein Tun. Aber besser eben so, als gar kein Preis fürs nichts tun. So scheint es jedenfalls all den große und kleinen Lebewesen angetan zu sein.

Bei den Kurzgeschichten staunen Frau und Mann über so manche Wandlung und Überraschung mittendrin. Oft glaubt man, seinen Nachbarn, den Freund oder den Verwandten zu erkennen. Plötzlich wird aus jenen jedoch ein Bulle, ein Hamster, ein Vogel. All jene haben ihre Probleme mit der Welt, vor allem aber mit dem alltäglichen Normal- und Wahnsinn, weswegen sie sich absondern und den Langweilern den Rücken kehren. Sie preschen vor, sie machen es anders, sie denken größer. Ein Hamster Konrad kennt sich mit der Quantenphysik aus, die Erdkröte Artus greift zu Grube und Schild, um den Dachs zu verjagen, ein Schwan namens Hans-Friedrich ist unter den Enten die hässliche Ausnahme. Und wenn dann Bulle Bernd so seine Probleme mit den Fliegen auf der Weide hat, weil „man ein sehr entspanntes Verhältnis zu seinem Schließmuskel hat“ dann klappt man auch schon mal das Buch zu, um seine Lachmuskeln wieder zu entspannen. Nur aber, um es sogleich wieder aufzuschlagen. Denn es warten noch mehr TierMenschGeschichten, die alle so anders sind, dass man mit dem Lesen und Lachen erst am Ende aufhören kann. Und auch Weinen ist erlaubt, denn, und das ist ja hinlänglich bekannt, wer anders ist als all die anderen, ist eben oft zum Scheitern verurteilt. Aber das macht dieses Kleinod um so interessanter und lesenswerter. Am Ende der Geschichten warten kleine wissenschaftliche Aufklärungen über das Vorangegangene oder anderes. Interessant! 100prozentige Weiterempfehlung und zudem das einzige (mir) bekannte Buch mit Daumenkino!

MARION ALEXA MÜLLER: „Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren“, Softcover, 170 S., 19 x 13,5 cm, ISBN: 978-3-95996-070-0, Periplaneta, Edition Drachenfliege, 12,50 € (D) http://www.periplaneta.com/

GENQUOTIENT 8713

Liebe bpb-Leser, es gibt Neuigkeiten zu meinem Buch: Der Titelschutz ist durch, ich kann den Titel also schon einmal verraten: „Genquotient 8713“ (sprich: siebenundachtzig dreizehn).  Dahinter verbirgt sich ein Code, der die Identität schützen soll. Aber auch der ist in der heutigen Zeit nicht mehr sicher… Zudem gibt es „hot codes“ und „cold codes“. Dazu später jedoch mehr…

Auch das Cover ist noch weiß bzw. grau. Aber auch da wird fleißig dran gearbeitet. Außerdem kamen einige Anfragen: Was machst Du jetzt eigentlich? Wo doch dein Manuskript beim Verlag liegt und der sich um alles Weitere kümmert? Immerhin sind es ja noch fünf Monate bis zum Erscheinendes Buches. Nun, die Frage kann ich relativ schnell und leicht beantworten: Ich schreibe an Teil zwei. Das Gerüst des zweiten Buches steht schon lange, auch habe ich das Ende schon vor einiger Zeit geschrieben (wie ich auch beim ersten Buch zuerst das Ende geschrieben hatte). Nun sollte ich eigentlich vorn beginnen und mich zum Ende hinschreiben. Das funktioniert bei mir allerdings, wie auch schon beim ersten Teil, nicht so richtig.

An manchen Tagen habe ich eine Idee, wie die eine oder andere Szene ablaufen könnte, die sich aber nun einmal nicht am Anfang des Buches, sondern eher in der hinteren Mitte abspielt. Also schreibe ich das auf und füge es dann später, wenn ich jene Stelle erreicht habe, dort ein. Natürlich wird die Szene dann nicht mehr komplett passen, weil sich die Story anders entwickelt hat, als es ursprünglich geplant war. Aber so ist das, wenn ich schreibe. Andere mögen es anders machen. Ich bleibe bei meiner Art. So komme ich auch recht gut voran, am Jahresende werde ich mit der ersten Fassung fertig sein. Dann aber gibt es zunächst einmal Wichtigeres: Lesungen, Lesungen, Lesungen. Mehr dazu demnächst an dieser Stelle.

Bild

USA-Urlaub in einer Minute

Buch

Liebe bpb-Leser, heute mal ein Post in eigener Sache. Sicher ist es einigen schon aufgefallen, manche haben mich auch angeschrieben bzw. angesprochen: Es ist ruhiger geworden auf meinem Blog. Ich poste nicht mehr soviel wie zu Beginn oder noch vor zwei Jahren. Das alles hat natürlich seinen Grund: Ich habe ein Buch geschrieben. Nun, das können sicher viele von sich behaupten. Nicht ganz so viele haben jedoch einen Verlag, der ihr Werk verlegt. Das nun wieder kann ich von mir behaupten. Am 23. Juni 2017 habe ich meinen Publikationsvertrag bei Periplaneta unterzeichnet. Das freut mich natürlich sehr. Auch oder gerade weil das Team des Verlages einfach nur grandios ist, weil der Verlag um die Ecke zuhause ist (15 Minuten Fußweg von daheim), weil der Verlag mir viele Freiheiten lässt, u.a. selbst organisierte Lesungen und mehr.

Der Titel des Buches? Kann ich noch nicht verraten, da der Titelschutz noch nicht durch ist. Worum geht´s? Es ist ein Thriller, der hauptsächlich in Berlin spielt. Es geht um Überwachung, korrupte Beamte und geheime Forschungen in nicht ganz legalen Laboren. Dazu aber später mehr an dieser Stelle.  Angepeilte Premiere des Buches, dass dann in der Totengräber-Edition des Verlages erscheinen wird, ist der Dezember, also „bald schon“. Spätestens Weihnachten kann jeder Interessiere das Buch lesen. Bis dahin wird es an dieser Stelle aber noch so manches Update geben…

 

Ding des Monats

Aus dem Tagespiegel-Ckeckpoint vom 6. Juli 2017:

Das war zu erwarten – es gibt Krach ums Klo: Der Senat verschiebt das Konzept zur Finanzierung der öffentlichen „City Toiletten“ (sollte im Juli fertig sein) auf September. Bisher betreibt die Firma Wall ihre 175 Häuschen kostenlos für das Land und vermarktet im Gegenzug kostenlos Werbeflächen des Landes – ein gutes Geschäft. Da dachte sich der Senat: Das können wir doch selbst! Zumal ja auch die Schulklos im Land Berlin schon seit Jahren so fantastisch in Schuss sind. Also wurde der Wall-Vertrag gekündigt – und schon ging der Ärger los: Wer macht was und was machen die Bezirke, wer kümmert sich – und wer kassiert? Neuköllns Bürgermeisterin Franziska Giffey fasst den aktuellen Stand der Debatte so zusammen: „Ich möchte nicht, dass wir einen Toiletten-BER bekommen“ (Zitat: „B.Z.“) – das klingt dann auch noch nach zusätzlichen Problemenmit der Entrauchungsanlage.

Erinnert an damals, als der Senat auf die Idee kam, den Bau des Flughafens selbst zu koordinieren.

Ein paar Tage Erholung

bpb macht ein paar Tage Urlaub. Nicht in Schweden (Foto), sondern an der deutschen und polnischen Ostseeküste. Paddeln geht´s dann auch noch, diesmal aber zur Feldberger Seenlandschaft. Allen Lesern eine schöne Zeit und bis bald!

Nur eben keine Westautos

Freitagabend in der „Frohen Aussicht“ in Marzahn-Hellersdorf. Wirtin Karin hat viel zu tun, das Lokal ist voll und im Hinterzimmer hat sich der Stammtisch Operativer Einsatz eingefunden. Walter Z. (78), der alte Plattenbau-IM, der einstige Führungsoffizier Herbert K. (75), Günter P. (77), Major a.D. des Ministeriums für Staatssicherheit, NVA- Oberstleutnant a.D. Eberhard K. (80)  und natürlich Illjuschin (Alter und Nachname unbekannt), der Kopf der alten Kämpfer. Seit einem Jahr ist Franz D. (81) dabei, einst Generalmajor des Ministeriums für Staatssicherheit und dort enger Mitarbeiter Schalck-Golodkowskis in der AG BKK (Arbeitsgruppe Bereich Kommerzielle Koordinierung) im Zuständigkeitsbereich der Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg. D. war nach dem Tod seiner Frau vor zwei Jahren nach Berlin gezogen und hatte in alten Akten (die er 1989 persönlich gerettet hatte) herausgefunden, wohin man in Berlin als alter Stasi-Kämpfer ziehen muss: fußläufig zur „Frohen Aussicht“.

„Karin, mach mal ne Runde auf meinen Zettel“, sagt Franz D. ganz im alten Befehlston, den er sich partout nicht abgewöhnen kann. Die Wirtin kennt das aber und hat sich längst daran gewöhnt. Dafür schauen ihn alle anderen OE-Stammtischler verwundert an. „Wat n mit Dir los, Franz? Haste im Lotto jewonnen?“, fragt Walter Z. „Oda jibs die Runde uff dein neues Auto. Ick habs jestan jesehn. Schämste dir wenigstens ein bisschen?“, fügt er an. Franz D. nickt. „Zu meiner Verteidigung: Ich habe es nicht gekauft. Es ist ein Erbstück.“ Eberhard K. schüttelt ungläubig den Kopf. „Wat und vor allem von wem willst du denn erben? Mit deinen 80 Lenzen?“ Bevor Franz D. antworten kann, kommt Karin dazwischen und stellt sechs 0,3er Pils und sechs einfache Nordhäuser Doko auf den Tisch. „Alles auf mich“, sagt Franz D. und schiebt seinen Bierdeckel an den Tischrand, damit Karin die Runde anstreichen kann.

„Also, dann auf deine Schande“, sagt nun Illjuschin, der sonst wenig sagt oder eigentlich gar nichts. Es gibt jedoch Themen, da kann er sich nicht zurückhalten. „Naja, Schande ist wohl ein bisschen übertrieben, oder? Und jetzt erst einmal Prost“, sagt Franz D, der dabei an das Auto denkt, das seit drei Tagen ihm gehört. „Eine Cousine im Westen hat mich als Erben eingesetzt, da ich ihr letzter Verwandter war“, begründet Franz D. nun die Neuanschaffung. „Du meinst Klara?“, hakt Günter P. nach. „Die meine ich. Aber woher kennst du denn die Klara?“, fragt Franz D. und wird sich im gleichen Moment wieder bewusst, mit wem er am Tisch sitzt. Günter P. runzelt die Stirn. „Klara, geborene Schultze, verheiratete Peters. Keine Kinder. Lehrerin für Staatsbürgerkunde und Geschichte an der Polytechnischen Oberschule Klement Gottwald in Halle Neustadt. 1992 Republikflucht, also Umzug nach Rendsburg. Richtig, oder?“ fragt Günter P. und klopft dabei Franz D. auf die Schulter. „Wir wollen doch wissen, mit wem wir am Tisch sitzen“, sagt Herbert K. und zwinkert Franz D. zu.

„Und wat willste nun damit machen? Mit dem Westauto?“, fragt jetzt Walter Z. und zeigt mit dem halbleeren Bierglas auf Franz D. „Äh, ich werde, ähm, den Mercedes natürlich schnellstmöglich verkaufen. Und der Erlös, ähm, wird zum Teil, ähm, in die Stammtisch-Kasse fließen“, stottert Franz D. und bestellt zum Zeichen seiner Einsicht noch eine Runde Pils und Doppelkorn für die Lada und Saporoshez fahrenden Genossen vom Stammtisch Operativer Einsatz. Ein Stammtisch, bei dem fast alles (aus dem Osten) erlaubt ist. Nur eben keine Westautos.

Mehr vom Stammtisch gibt es hier.

 

Bloggerfreiheit

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Artikel 5
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Bilder aus der Fotokiste XIV

Throwback Thursday: Grad entdeckt in der Festplatten-Fotokiste. Ziemlich genau 45 Jahre ist das her. Einschulung in die Viktor-Koenen-Oberschule Merseburg Süd. Auf den Ranzen war ich ziemlich stolz damals. Um dann festzustellen, dass jeder einen hat.

Hupe, Schlau Schlau & die Anderen

Der Florakiez ist gleich um die Ecke bei uns. Zu Fuß etwa 20 Minuten. Und doch kenne ich ihn kaum. Weil das eben so ist, wenn man in einem Berliner Kiez lebt. Wir waren schon mehrfach beim Italiener dort, auch einmal Kaffee trinken. Ansonsten bin ich selten dort, ja, ich meide sogar diesen Teil Pankows. Das hat mehrere Gründe. Hauptsächlich aber wohl liegt es an den aufgesetzten Straßencafés dort. Die wollen alle so cool und hip sein (es gibt Cafés nur für Mütter und Kinder dort. Seitdem überlege ich ständig, ob ich nicht ein Väter-Söhne-Café aufmachen sollte). Eins haben jedenfalls alle Cafés dort gemeinsam: Ordentlichen und guten Kaffee können sie nicht zubereiten. Einige verwechseln sogar die Bezeichnungen. Man bekommt einen Milchkaffee als Latte Macchiato oder der bestellte doppelte Espresso Macchiato entpuppt sich als kleiner Kaffee mit Milch. Und überhaupt – irgendwie hat sich die Florastraße und Umgebung zum kleinen Prenzlauer Berg Alt-Pankows entwickelt.

Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben. Eine Buchvorstellung hat uns mal wieder dorthin verschlagen. Im Jugendzentrum Pankow, kurz JUP, las neulich  Johannes Krätschell aus seinem Buch „Herr Schlau Schlau wird erwachsen“ (Buch & MP3-CD, Hardcover, 178 S./104 min. 20,6×13,5 cm, ISBN: 978-3-95996-030-4, Edition Periplaneta). Er las das dort, weil in den Räumlichkeiten sich einst das „Stilbruch“ befand, des Autors früheres Schülercafé und somit auch Teil-Schauplatz seines Erstlingswerkes.  Lesenswerte und kurzweilig aufgeschriebene Kurzgeschichten, die zusammen eine kleine Geschichte ergeben. Herr Schlau Schlau fliegt mit 35 Jahren bei seinen Eltern raus und erbt eine 4000-Bücher-Bibliothek. Klassischer beginn einer langen Solo-Single-Karriere, könnte man meinen.

Nicht so bei Krätschell. Sein Protagonist trifft nicht nur auf den herzensguten (und bald besten Freund) Hupe. Nein, er trifft sogar Franziska, die bald schon seine Freundin werden soll (die Leute, die ich kenne, die mit 35 noch bei Mutti wohnten, haben heute noch keine Freundin). Und dann ist da noch Enrico – Hupes Sohn, der Holger aus dem Paket-Zeitungs-Shop, Herr Sobkowski und dessen Shop sowie weitere Freunde der Protagonisten. Sie alle vereint der Kiez und das Leben im Jetzt. Das Wohnen im Kiez ist nicht mehr billig und die Gäste in Geschäften und Kneipen ändern sich und somit ändert sich auch das Kiezgesicht.

Es sind Geschichten zwischen Herbst und Sommer, zwischen Bürgerpark und Florastraße, zwischen Lachen und Weinen. Zusammen eine wunderbare Erzählung von Freundschaft und den Kräften, die nur Freunde bei einem selbst und bei anderen freisetzen können. Prädikat: unbedingt lesenswert.

Unbedingt hörenswert sind übrigens die Lieder von Bastian Mayerhofer, der an jenem Abend im JUP die Geschichten von Krätschell perfekt ergänzte.  Die Lieder Mayerhofers zu beschreiben würde jeden Blogpost sprengen. Seht selbst:

Café-Sitzer

Ich gebe es gern zu: Auch ich arbeite hin und immer wieder im Cafés oder Kneipen. In solcherart Umgebungen bin ich oft kreativer als in meinem Arbeitszimmer daheim. Woran das liegt? Keine Ahnung. Ich vermute, dass so manche Szene, die ich beschreibe, besser gelingt, wenn ich sie sehen oder miterleben oder, besser noch, fühlen kann. Jedoch halte ich mich immer an gewisse Regeln, da ich selbst lang genug in der Gastronomie tätig war. Regel Nummer eins: Umsatz machen. Ich würde mir doof vorkommen, wenn ich einen Platz besetzen würde, ohne etwas zu konsumieren. Und so trinke ich Kaffee, Säfte, Wasser oder auch mal Bier oder Wein, wenn es passt. Aber scheinbar bin ich damit komplett aus der Mode. In dem Café, in dem ich es mir gerade gemütlich gemacht habe, passiert genau das Gegenteil. Also nicht bei mir – ich habe Cappuccino und Rhabarbersaftschorle vor mir stehen.

Die drei Mädels am Nachbartisch arbeiten an einem gemeinsamen Projekt für die Fachschule, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Sie waren schon da, als ich kam, sind also mindestens zwei Stunden hier. Auf dem Tisch stehen drei Laptops, die allesamt mit Strom des Cafés versorgt werden. Ebenfalls auf dem Tisch steht eine leere Tasse Kaffee mit schon angetrockneten Kaffee-Resten. Zu trinken haben die drei genug – allerdings nichts vom Café, sondern von daheim Mitgebrachtes. Die eine nippt an einer Plastikpulle Wasser, die sie immer wieder in ihrer Tasche versteckt, die anderen beiden holen sich regelmäßig Leitungswasser von Toilettenwaschbecken. Es sieht so aus, als ob sie noch eine Weile bleiben würden. Fazit: Ein besetzter Tisch für drei Stunden, Umsatz: 2,30 Euro.

Am Tisch daneben ein ähnliches Bild. Dort sitzen eine junge Frau und ein Typ, die beide wild auf die Tasten ihrer Macs einhämmern. Sie tun super wichtig, trinken oder essen aber – nichts! Die haben nicht einmal etwas bestellt oder gekauft. Kamen rein, stöpselten ihre Geräte in eine der reichlich vorhandenen Verteilerdosen, wählten sich (vermutlich) ins kostenlose Internet des Cafés und sitzen nun schon eine knappe Stunde dort. Fazit: Ein besetzter Tisch für wenigstens eine Stunde, Umsatz: Null.

Die spanischen Touristen am Tisch dahinter sind die Ausnahme: Sie trinken Saft und Kaffee und essen Sandwiches und Kuchen. Fazit: Ein besetzter Tisch für eine halbe Stunde, Umsatz: 25 Euro.

An den anderen fünf Tischen sitzt jeweils eine Person mit eingestöpselten Laptop und maximal einem Getränk. Gesamtfazit für die 90 Minuten meiner Anwesenheit: Den Umsatz von 50 Euro haben fünf von 15 Gästen gemacht. Unglaublich. Wie können sich die Betreiber das leisten? In dieser Gegend? Möchte nicht wissen, wie hoch hier die Miete ist. Und wie ein Geldwäschelokal sieht der Laden nicht unbedingt aus (man weiß es natürlich nicht). Ich trinke dann mal besser aus und gehe, bevor ich mich hier noch unbeliebt mache (bei den Gästen). Ich stelle mir vor, was ich denen sagen würde, wäre ich hier der Inhaber. Das lass ich hier aber mal weg, sonst ernte ich bloß wieder unqualifizierte Hasskommentare oder Shitstorm. Ich werde  trotzdem wieder hingehen. Denn bei all den Umsatzkillern hat der Laden, im Gegensatz zu vielen anderen in Berlin, einen entscheidenden Vorteil: Das Personal spricht Deutsch.

 

Keep on rockin´ in (for) a free world

Aus aktuellem Anlass #freedeniz

Zum Geburtstag

Zehn Jahre berlinpankowblogger

Irre. Unglaublich. Nicht zu fassen. So etwa dachte ich neulich, als mir bewusst wurde, dass mein Zehnjähriges näher rückt. Nun ist es soweit: Heute vor zehn Jahren ging berlinpankowblogger online. Wahnsinn. Zehn Jahre, in denen viel passiert ist in der Welt, in Deutschland, in Berlin. Zehn Jahre, in denen sich mein Blog entwickelt und gewandelt hat. Bevor ich anlässlich dieses Jubiläums ein paar Statistiken posten möchte – Vielen Dank allen Lesern und besonders den Stammlesern, die mir die Treue gehalten haben!

Zehn Jahre berlinpankowblogger – das sind knapp 400.000 Besuche, also im Schnitt etwa 40.000 pro Jahr. Wobei es klein anfing. 2007 freute ich mich über 1843 Besuche, ein Jahr später waren es schon 18.738. So steigerte sich das weiter bis zu 80.000. Pro Tag kommen hier zwischen 150 und 500 Leser vorbei. Ich habe 1307 Beiträge verfasst, eine Liste der Top 10 steht unten. Wie viel ich inzwischen über Reisen poste, zeigt die Topliste der Suchwörter, mit denen mein Blog gefunden wurde: Platz eins geht an New York (12.159 Suchanfragen), zwei an San Francisco (6108), Rang drei an „Regenbogen“ (3045). Insgesamt gab es 175.432 Suchanfragen im Netz, die hier endeten.

"New York" - über 12.000 Leser fanden mit diesem Suchwort zu meinem Blog

„New York“ – über 12.000 Leser fanden mit diesem Suchwort zu bpb

In den Jahren habe ich insgesamt fünf Designs bzw. WordPress-Themes ausprobiert, das aktuelle gibt es jetzt unverändert seit sieben Jahren. Ich habe 943 Follower, die Hälfte hier per RSS-Feed, die anderen bei Facebook und Twitter.  Als ich anfing, hieß das noch Weblogbuch und eigentlich sollte Block330 mein Hauptblog werden. Nun, es ist anders gekommen. Zu meiner Medien– ähm Blog-Gruppe gehören außerdem noch der berlinpankowknipser und seit einem Jahr das Online-Magazin Yachtblog – mein neuestes Projekt, das ich gemeinsam mit einem Freund betreibe. Hier aber nun ein Prosit! sowie die Top 10 der bpb-Leser:

  1. Kannst Du „Als ich wie ein Vogel war?“
  2. Freitags
  3. Kasse mit 465
  4. Ins linke Licht gerückt
  5. Als Penner
  6. Food Koop – Shoppingparadies & Arbeitshölle
  7. Radulf-Kevins Kinderkotze
  8. …und keiner fragt nach Bruno Gröning
  9. Badekappe Pflicht
  10. Ich bin so wild nach deinem Erdbeerhof

Vermisst: Der Kiezneurotiker

kiezneurotiker_offline_01Wer hat den Kiezneurotiker gesehen? Also seinen Blog? Seit ein paar Tagen, oder vielleicht auch schon länger, ist sein Blog nicht mehr zu finden. Dort, wo einst die besten Gastro-Kritiken der Stadt standen, wo mit spitzer Zunge das Kiezleben in Prenzlauer Berg verfolgt und dokumentiert wurde,  wo immer wieder auch meine Posts verlinkt wurden – da ist nichts mehr zu lesen, nichts mehr zu sehen.  Der Kiezneurotiker hat mich nicht nur gut unterhalten, sondern regelmäßig meine düsteren Tage gerettet.  Doch nicht nur das. Zwischen berlinpankowblogger und kiezneurotiker gab es eine, zumindest aus meiner Sicht, besondere Beziehung. Nicht nur, dass wir uns regelmäßig verlinkt haben. Wir hatten haben ähnliche Interessen, was gastronomische Einrichtungen und Urlaubsziele betrifft. So waren wir 2015 zur gleichen Zeit in Binz, ohne uns jemals zu begegnen. Allein anhand geposteter Fotos mussten wir feststellen, dass wir beide auf Rügen sind. Auf eine persönliche Begegnung habe ich seitdem immer wieder gehofft. Leider ist es nie dazu gekommen. Wo bist Du? Melde Dich doch mal. Viele Leser vermissen Dich und Dein Blog!

Edit: Es gibt (unbestätigte) Informationen, nach denen der kiezneurotiker seine Blogposts als eBook herausbringen wird und das Blog deshalb offline ist.