Heute mal eine Schleuse

Heute gibt es hier mal eine ganz andere Geschichte und ein bisschen Eigenwerbung ist es auch. Das Team unseres neuen Yachtblogs  war letzte Woche in der Mühlendamm-Schleuse in Berlin Mitte zu Gast. Was dabei herausgekommen ist, kann man hier sehen:

Jedes Kind würde schreiend fliehen

Was zeichnet einen Musiker aus, der journalistisch tätig ist? Oder anders gefragt: Was zeichnet einen Journalisten/Blogger aus, der auch Musiker ist? Richtig! Wir Musiker-Journalisten-Blogger können recht gut einschätzen, ob eine Mucke wirklich eine Mucke ist oder eben nicht. On die Musiker Musik machen oder nicht. In den meisten Fällen jedenfalls kann ich das recht gut einschätzen. Außerdem akzeptieren sich Musiker untereinander und respektieren die Arbeit des jeweils anderen.

Darum fühle ich mich jetzt nicht schlecht, wenn ich diesen Song schlecht mache. Denn immer, wenn ich ihn mir anhöre, wird mir übel und auch schlecht. Es begann mit einem leichten Unwohlsein und hat sich unterdessen zum Brechreiz entwickelt. Was soll das? Wie kann man so etwas lächelnd und ohne mit der Wimper zu zucken (das liegt wohl an den Botox-Spritzen) singen/präsentieren/filmen?  Wer hat das zugelassen? Zu so einem heiklen und sensiblen Thema? Und hier geht es nicht um Geschmack und Streitigkeiten. Hier geht´s einfach nur um schlecht (nach)gemachte Musik mit grottigen Reimen und dazu noch einer emotionslosen Sängerin (wie gesagt, das liegt wohl an den Spritzen in Stirn und Kinn und Wangen und und und). Was sagt der (vermeintliche) Absender – der Kinderschutzbund – dazu? Wie konnte der so etwas zulassen? Oder steckt er mit drin? Dann wäre es ein Skandal!

Es beginnt mit dem Beginn: Der Anfang ist geklaut – von CREED. Etwas umgewandelt, damit es nicht sofort auffällt – aber es ist eine Mischung aus On my Sleeve und One last breath.  Produziert von Frank Nimsgern. Da ist der Name wohl Programm (Warum Frank? Warum nur?)  Dann folgt der Text: „Kinder in Not. Augen so groß.“ Sängerin Krause hält dabei ihre aufgespritzte gefühllose Fratze in die Kamera. Jedes Kind würde schreiend vor ihr fliehen.  Und weiter geht´s im 0815-Rockbeatsound: „Kinder ohne Schutz/Die Du behüten musst/Ihr seid nicht allein/Wir öffnen Herz und Heim.“ Sorry, mir grad wieder schlecht. Ich kann nicht mehr. Warum landet DAS nicht auf dem INDEX?  Ich muss schon wieder kotzen. Und doch – meine Lieblingsstelle muss ich noch erwähnen: Ein Kind inmitten von Trümmern (Syrien? Afghanistan? Erfurt vor der Wende? Berlin nach Kriegsende?) zeichnet das Botox-Gesicht der Sängerin… Noch Fragen?

Sorry für ne gute Nachricht

afd_meckpomm87 Prozent der Wahlberechtigten in Mecklenburg-Vorpommern haben nicht Rechts gewählt. So gesehen, ist das doch eine gute Nachricht. Aber wie heißt es so schön: Only bad news are good news. Sorry dafür.

Paddeln in Schweden 2016

sw16_01Unser Paddelurlaub ist nun schon wieder sechs Wochen her. Höchste Zeit für einen kleinen Bericht. Ziel dieses Mal war das Värmland. Ein kleines Kanucamp dort war unser erster Anlaufpunkt. Ein Teil der Gruppe (insgesamt 16 Paddler) kam mit Flugzeug und Mietwagen über Oslo (u.a. ich), alle anderen mit ihren eigenen Autos über Brücken oder Fähren oder beides. Samstagmittag waren alle vor Ort und nach dem Transport der Boote zur Einsetzstelle ging es auch schon los. Zumindest fast. Denn zunächst mussten die Boote beladen werden: Zelte, Schlafsäcke, Klamotten für sieben Tage, Essen für 16 Leute, Wasser, Bier, Wein und diverses Hochprozentiges. Zusätzlich noch eine Gitarre und jede Menge Ausrüstung, wie z.B. eine acht mal sechs Meter große Plane (die uns später noch vor so manchem Regentropfen geschützt hat).sw16_05Im Kanucamp kann man zwei Einsetzstellen wählen: Entweder wird man zum Glaskogen gefahren oder, wie wir, zum Värmeln. Die erste Tour war denn recht kurz, denn wir wollten alle erst einmal ankommen und noch rechtzeitig einen guten Biwakplatz finden. Dies war etwas schwieriger als geplant (und gewohnt). Im Gegensatz zur vorangegangenen Tour (2013 Lelang/Dalslandkanal) gab es diesmal nicht so viele schöne Plätze. Vor allem nicht für 16 Personen in sieben Zelten. Das wurde mehrfach ganz schön eng und so manches Mal standen die Zelte „auf Blaubeeren“.sw16_02Das Ziel am zweiten Tag hieß Campingplatz Borgvik. Dort bestand die größte Chance, ein(e) Lokal/Kneipe mit TV zu finden. Es war der Sonntag des Fußball-WM-Endspiels und das wollten (fast) alle sehen. Es sollte aber anders kommen. Zum Campingplatz hätten wir unsere Boote einen großen Weg abwärts umtragen müssen, was auf Grund der Beladung der Canadier ohne Umtragewagen nicht nur hin eine große Belastung gewesen wäre, sondern vor allem auch am nächsten Tag zurück. Das stand fest: Wir mussten wieder zurück, um auf unsere geplante Tour zu kommen. Nicht gerade mit der besten Laune (denn dies hätte man uns durchaus im Kanucamp verraten können) fuhren wir zurück und suchten den nächsten Biwakplatz. Dort angekommen, zogen Regenwolken auf und die große Plane kam zu ihrem ersten Einsatz. Der Abend hat dann doch noch ein gutes Ende genommen: Freunde aus Halle hatten nicht nur ein Tablet dabei, sondern auch DBVT-Antenne (oder etwas in der Art) und Zubehör. So dass die Fußballfans noch auf ihre Kosten kamen.sw16_03Am Folgetag fuhren wir den Värmeln Richtung Norden. Die Ziel-Pläne wurden diesmal jedoch vom Wind zerstört. Dieser wurde immer stärker, die Wellen im höher und irgendwann entschlossen wir uns, an einem öffentlichen Badestrand anzulanden. Denn jede Weiterfahrt hätte nicht nur unsere Ausrüstung, sondern auch uns gefährdet. Also ran an den Strand und Zelte aufgebaut. Irgendwann bekamen wir noch Besuch von dort lebenden Schweden, die uns zwar kritisch beäugten, uns aber nach dem schwedischen Jedermannsrecht mehr oder weniger willkommen hießen (auf Grund der beträchtlichen Zahl Leute/Zelte/Boote). Der Wind nahm und nahm nicht ab, so dass wir an diesem Abend die große Plane nicht als Regen- sonders als Windschutz einsetzten (mehr oder weniger erfolgreich). Am späteren Abend nahm der Wind ab und ein Bilderbuch-Sonnenuntergang versöhnte uns mit dem Wettergott.nachtlager_strand_01 (2)Am Morgen war der Wind noch da, hatte aber so abgenommen, dass wir starten konnten. Auf ging es weiter zunächst gen Norden. Kurz vor dem Mittag erreichten wir einen Seitenarm des Sees, den wir uns als nächstes Ziel gesetzt hatten. Kurze Zeit später erwischte uns wieder Regen. Das Ziel kurz vor uns paddelten wir jedoch weiter, um möglichste schnell zum Ziel zu kommen. Das geplante Umtragen musste doch zunächst ausfallen. Wir waren froh, eine kleine Insel mit Platz für uns alle zu finden und bauten im leichten Regen die Zelte auf.sw16_08Am nächsten Mittag stand fest: Auch dieses Mal wird es nichts mit Umtragen. Auch dieses Umtragestelle schien unbezwingbar lang und vor allem auch steil. Dies und das eher schlechte Wetter (immer wieder Regenschauer) hielt uns dort zwei Nächte fest. Am „Pausentag“ unternahmen wir lediglich eine Paddeltour (ohne Gepäck) in eine benachbarte Bucht. Die Abende dort aber waren eher sonnig und so stieg die Laune wieder. Zelte und Klamotten konnten trocknen und der Wein floss wie der Regen am Nachmittag in Strömen (und auch das Bier und der eine oder andere Wodka).sw16_04Am Donnerstag erwartete uns dann noch einmal eine größere Strecke, die wir mit mehreren Regenpausen (am Ufer unter Bäumen) meisterten und so landeten wir am vorletzten Abend auf dem schönsten Biwakplatz der gesamten Tour. Genug Platz für alle Zelte, genug Holz und ein Postkartenblick auf den See und die Umgebung. sw16_09Der letzte Tag unserer Paddeltour führte uns zunächst in das (dort) berühmte Värmskogs Café, wo wir uns es nicht nehmen ließen, die Spezialität des Hauses zu verspeisen: Eine Scheibe Weißbrot gekrönt mit einer schier unglaublichen Menge Garnelen, gekochten Eiern und Majonaise: „75-grams tekaka med dubbelt så mycket räkor“ – übersetzt: ein 75-Gramm Muffin mit der doppelten Menge Garnelen. Nach diesem Eiweiß-Schock fanden wir unsere letzte Insel – ebenfalls ein schönes Fleckchen inklusive bestem Badewetter. Am Abend landeten die letzten Kartoffeln sowie Zwiebeln, Schinken und Wurst im Kessel und sw16_07Ein gelungener Abschied einer wieder mal wunderbaren Schweden-Paddel-Tour (mit Abstrichen). Am Ende bleiben aber eh nur die schönen Erinnerungen. Der letzte Tag gehört nicht unbedingt dazu: Wieder machten Wind und große Wellen uns zu schaffen. Aber alle sind gut angekommen und nach einer Irrfahrt zweier Fahrzeuge (u.a. ich) kamen dann alle wieder gut nach Hause. Freunde und ich hatten (auch schon vor der Tour) am letzten Tag noch einen wunderbaren Abend in einem der besten Restaurants von Oslo. Aber das ist eine andere Geschichte.sw16_06Natürlich gab es auch dieses mal wieder Stockbrot.

Zitat des Tages

Aus dem Checkpoint (Tagesspiegel) von heute (15.08.16):

„Hanfparade bleibt friedlich“, meldete die Morgenpost am Sonntag. Wer hätte denn was anderes erwartet? Das Zeug wirkt ja auch verboten gut.

Carpool Karaoke

Ich mag James Corden, ich mag die Red Hot Chili Peppers. Alle zusammen in einem Auto – göttlich! Muss ich deshalb hier mal posten.

 

 

Fellfressen im Kniebundstyle

Es muss irgendwann in den letzten Monaten passiert sein. Unbemerkt von den meisten. Oder auch nur von mir. Früher jedenfalls, wobei früher soviel wie „bis vor wenigen Wochen“ heißt, kamen mir in der erweiterten Nachbarschaft – also z.B. am Kollwitzplatz, in der Schönhauser Allee, auf der Wisbyer Straße – junge Väter entgegen, die einen Kinderwagen vor sich her schoben. Manchmal mit, manchmal ohne Frau. Immer öfter ohne. So kam es mir jedenfalls vor. Sie (die Väter) trugen Jeans, teure Turnschuhe. Manche hatten auch diese schwarzen oder braunen Lederschuhe an, nach Maß gefertigt in London. In der Jeans steckte ein hellblaue/weiß gestreiftes Hemd, oder auch nur  hellblau. Manchmal auch grün. Oder rosa. An warmen Tagen war´s dann dann auch schon, an kühleren Tagen, die es auch im Sommer immer mal wieder geben soll, hatte der eine oder andere Papa ein Jackett an, lässig über Hemd und Jeans getragen. Natürlich Schurwolle. Selbstverständlich.

Im Gesicht trugen die Väter einen lässigen Dreitagebart. Bis auf jene, die ihrer Gesichtshaut jeden Morgen eine frische Rasur gönnten.  Passend dazu schoben sie den Inglesina Classica, kurz vor der Geburt des lieben Kleinen für 1250 Euro günstig bei Ebay geschossen. Oder, besonders hier beliebt, der Domino Twin oder gar der TFK Trio Twist. So war das hier. So ist es aber nicht mehr. Jetzt verkehrt man hier dort anders. Ganz anders. Manche Exemplare machen mir inzwischen Angst. Bei einigen der – jenseits der Wisbyer ansässigen – Väter überlege ich regelmäßig, ob der Kinderwagen Fake ist. So ganz ohne Kind(er). Einfach nur so, weil´s zum Image hier passt. Die Zeit der DreitagebartOderGlattRasiertenVäter ist vorbei.

Alle tragen Bart. Richtig Bart. So einen langen Bart. Fellfresse hieß das bei uns früher. Unten Kinderwagen. Oben Bart. (Wahrscheinlich) unten rasiert. Oben nicht. Aber das ist noch nicht alles. Statt Turn- oder Maßschuhen tragen die Herren nun Travelin Trekking Boots. Oder gleich Springerstiefel. In Rot. Selbstverständlich. Ginge ja vielleicht noch. Aber warum müssen es ausgerechnet diese Hosen sein? Country Line Trachtenhose im Kniebundstyle.  Ziegenvelour Wildbock. Gibt´s wirklich. Da komm ich nicht mehr mit. Das ist nicht mehr lustig. Das retten auch Army-Tarn-Shirt und Outdoor-Softshell-Funktions-Jacke nicht mehr. Ganz im Gegenteil. Fellfressen im Kniebundstyle. Was kommt danach?

 

Paddeln in Schweden 2016

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub und manchmal bleibt nicht viel Zeit zwischen den Reisen. So auch in diesem Jahr. Kaum zurück vom Alternative-NYC-Urlaub, geht es schon wieder los Richtung Norden. Paddeln in Schweden. Mal wieder. Schon vor drei Jahren hatten wir dieses wundervolle Erlebnis weit weg von der Zivilisation, weit weg von allem Alltäglichem. Ruhe, Ruhe, Ruhe. Gefolgt von Stille und Lagerfeuer und Gitarre und Essen aus dem Feuertopf und und und. Freunde. Und sonst nichts. Irre. DAS ist Erholung.  Die neuen Fotos/Berichte von dieser Tour folgen natürlich, an dieser Stelle gib es jedoch nur Eindrücke aus 2013:pad079 pad130pad102 pad134pad122

One World Observatory

Natürlich muss man, kann man, in einem NYC-Alternativ-Urlaub trotzdem tourristische Pfade betreten. Zumindest dann, wenn es etwas neues Spannendes gibt, das man zuor noch nicht gesehen hat. Dazu zählte in diesem Jahr der Blick aus 380 Meter Höhe auf New York und das umgrenzende Land. Der Besuch auf dem One World Observatory verprach viel – und hielt alles. Allein die Lift-Fahrten im Freedom Tower rauf und runter sind spektakulär. Sogar unsere Befürchtung der langen Wartezeit wegen war umsonst: von Ankunft unten bis zum Ausblick oben vergingen keine 20 Minuten. Etwas mulmig wurde uns nur, als gar nicht so weit entfernt immer wieder Flugzeuge vorbei flogen, auf ihrem Weg zum LaGuardia Airport. Die Erinnerungen an 9/11 werden spätestens dort oben bei jedem wieder wach. Und – wer etwas feinfühlig ist wie ich – der spürt, wie sich der Turm im Wind leicht bewegt… Auch etwas gewöhnungsbedürftig. Auf jeden Fall auch bei einer Alternativ-Reise immer wieder einen Besuch wert.  owo_01 owo_03 owo_04 owo_05 owo_06 owo_07 owo_08 owo_09owo_10

NYC alternativ V: Mit der East River Ferry von Long Island City nach Dumbo

Wer mit der Tram nach Roosevelt Island gefahren ist und nicht den gleichen Weg zurück nehmen möchte, der kann mit der Subway Richtung Queens fahren. Zunächst geht es tief hinunter – die Station auf dem Island liegt über 30 Meter unter der Erde, schließlich muss die Bahn hier den East River unterqueren. Die Bahn fährt parallel zur Queensboro Bridge, die erste Station nennt sich jedoch 21 Street Queensbridge/41 Ave. Wir steigen aus, weil wir ein weiteres Ziel haben, das sich direkt am Ufer des East River befindet und wir uns nicht soweit davon entfernen wollen. Das erste, was auffällt: Alle Wohnhäuser hier, die meisten sehen nach Sozialbauten aus, werden gerade saniert, fast jedes Gebäude verschwindet hinter einem Gerüst. Dann ein angepinnter Hinweis an einem Lampenmast – hier wurden Szenen für eine auch bei uns beliebte Serie (mit Tom Selleck) gedreht. Ah… ja. Hier also spielt das…lic01Zwischen Sozialbauten und East River ist alles grün und sauber und sehr ordentlich. Ein nicht zu übersehender Kontrast zu den Straßen dahinter. Durch einen Blick auf Plakate, die ein Festival ankündigen, wissen wir nun auch, wo wir uns genau befinden: In Long Island City (nach einer Woche auf Long Island nun endlich in der City), kurz LIC genannt. LIC ist nicht unbedingt die Gegend, wo man gern wohnen würde, dafür aber um so interessanter anzusehen. Zum einen wäre da der Blick hinüber nach Manhattan, den man so eben nur von hier hat (und was wiederum ein sehr cooler Blick aus dem Wohnzimmerfenster wäre). Zum anderen brodelt hier das (neue) Leben. Zwischen heruntergekommenen Bauten, Wohnhäusern und Industrieanlagen entwickelt sich auch hier die neue New Yorker Szene mit Kneipen, Restaurants und Bars.lic02DSC_9575lic04Kommt man der „City“ von LIC näher, fühlt man sich eher wie in einer amerikanischen Kleinstadt denn in einem Stadtteil New Yorks. Hinten links ein Kirchturm, eine Hauptstraße mit Kneipen und Läden, reger aber kein hektischer Verkehr. Nur ein paar Geschäftsleute in weißen Hemden und Krawatten hetzen zwischen den Einwohnern (meist südamerikanische Herkunft) hindurch. lic03 lic05Am Ende der Straße, kurz bevor es nach rechts zur East River Ferry abzweigt, lockt uns der Hunger in ein Deli. Drinnen eine große Auswahl an kalten und heißen Sandwiches. Für mich gibt es natürlich keine Frage: Ein Pastrami Sandwich soll es sein und wird es sein. Und es wird sehr lecker sein (es war sehr lecker). Inzwischen sind wir dann auch eine Stunde unterwegs und vor uns liegt noch ein Erlebnis der besonderen Art: Für vier Dollar kann man von hier aus mit der East River Ferry bis zur Pier 11 in Manhattan fahren, oder aber vorher in Brooklyn, genauer gesagt in Dumbo, aussteigen. Genau das haben wir vor und auf dem Weg dahin genießen wir die rasante Fahrt des Schnell-Katamarans und natürlich den Blick auf die Skyline Manhattans.lic06 lic07 lic08Dumbo liegt mehr oder weniger unter zwei Brücken: Unter der Brooklyn und der Manhattan Bridge. Auch hier etabliert sich die New Yorker Szene immer mehr. Kopfsteinpflaster und Schienen erinnern noch an die alten Industrie- und Hafenanlagen, die hier einst das (Arbeits)Leben bestimmten. Später zerfiel das alles mehr oder weniger und Dumbo war lange Zeit kein schöner Ort, sondern Treffpunkt zwielichtiger Gestalten, um es mal nett auszudrücken. Das ist noch gar nicht so lange her. Aber jetzt werden hier Filme gedreht, in tollen Industrie-Ateliers Kust ausgestellt und nebenan gibt es schicke Klamotten und schicken Läden, in denen schicke Verkäufer/innen T-Shirts für 150 Dollar anpreisen. Es gibt aber auch Straßenkunst (die Paparazzi Dogs) und Kneipen, die am nachmittag zur Happy Hour das Bier (u.a. Brooklyn Lager) für vier Dollar anbieten. Das ist natürlich genau unser Ding und so endet dieser Nachmittag unter der Manhattan Bridge mit einem gekühlten Lager vom Fass.dumbo_04dumbo_03dumbo_05dumbo_01 dumbo_02

NYC alternativ IV: Bushwick Collective

Der Brooklyner Stadtteil Bushwick ist inzwischen besonders für seine rege Künstlerszene bekannt. Hier gibt es Werkstätten und Galerien an fast jeder Ecke. Besonders um die Jefferson/Wyckhoff Avenue haben sich viele Kunstschaffende angesiedelt. Einer der Höhepunkte dort ist die Street Art Gallery Bushwick Collective. Der ganze Stadtteil ist sehenswert, die Graffiti-Werke aber besonders.us16192 us16189 us16193 us16194 us16197 us16198 us16199

NYC alternativ III: Roosevelt Island

tram_01Eigentlich gehört dieses Ziel zu den „normalen“ Touri-Plätzen in New York. Wir stufen es aber aus unserer Sicht dennoch in die alternative Ecke ein, da sich nicht jede(r) NYC-Gast bis zur 59./Ecke Lexington wagt. Der Central Park ganz in der Nähe ist zwar eines der beliebtesten Treffpunkte aller Anwohner und Gäste, führt aber oft dazu, dass man die Umgebung vergisst/bzw. vernachlässigt. Und damit auch alle weiteren Ziele in der näheren Umgebung. Dazu zählt ohne Zweifel die sogenannte „TRAM“, die eigentlich eine Seilbahn ist und alle, die es wollen, nach Roosevelt Island bringt. Am Seil. Der Ausblick ist berauschend und einmalig.  Die Gondel schwebt neben der Queensboroughbridge über den East River. Irre. Sollte man gesehen/erlebt haben. tram_02Trotz besten Wetters warteten nur überschaubare 50 Touristen aus aller Welt auf die nächste Seilbahn, und so konnten wir direkt in die nächste einsteigen und losfahren. Am Ende der Fahrt ein steiler Abstieg und schon ist man auf Roosevelt Island. tram_03Drüben angekommen, wird es derzeit etwas hektisch. Gefühlt hunderte Baufahrzeuge sind unterwegs, um ein Projekt/Bauwerk auf die Beine zu bringen.  Es fühlt sich etwas seltsam an, auf diesem Island. Aber am Ende erfährt man, dass es ein gutes Ende ist. Denn hier baut Cornell den neuen Campus… Wow. Hier studieren – das wäre mal ne coole Sache. Am Ende des Roosevelt-Islands stehen übrigens Mauern links und rechts. So dass einem der Ausblick verwehrt wird. Irgendwie erinnert mich das an… Nun ja, Mr. Roosevelt ist zu sehen. Sein Kopf.tram_04tram_06rooseveltJedenfalls hat man einen schönen Blick hinüber nach Queens – und da gehts natürlich hinterher hin… Auf Roosevelt Island geht es dazu erst einmal 30 Meter hinunter zur Subway. Die Bahn muss ja schließlich unter dem East River fahren. Und das ist tief. Wirklich tief. Von da ist man dann sehr schnell in Queens – in Long Island City. Doch dazu später mehr.pepsi_01roosevelt_01

 

NYC alternativ II: Die IKEA-Fähre

Jedem NYC-Besucher bestens bekannt ist die Staten Island Fähre, die man kostenlos nutzen kann. Und somit ist auch so ziemlich jeder Besucher einmal mit der Fähre gefahren. Eine weitere kostenlose Fähre ist die sogenannte IKEA-Fähre. Sie gehört zum New York Water Taxi und ist (nur) am Wochenende kostenfrei. Ziel der Fähre – das sagt der Name schon – ist IKEA. IKEA Brooklyn. Das schwedische Möbelhaus hat hier – was auch sonst – selbstverständlich sieben Tage in der Woche geöffnet. Damit auch am Wochenende genug Kunden den Weg zum Geld ausgeben finden, zahlt der Konzern die Wochenendtouren der Taxi-Fähre. Natürlich kann man – und das haben wir gemacht – die Fähre auch zunächst auf dem Rückweg nutzen und die eigentliche Hinfahrt zur Rückfahrt (ein Tipp unserer Freunde in Brooklyn).ikea_01Eigentlicher Start ist am Pier 11/Wall Street in Manhattan, Ziel ist IKEA in Red Hook/Brooklyn. Da wir in diesem Jahr etwas alternativ unterwegs waren, haben wir es also anders gemacht. Zuerst ging es mit dem Bus von Park Slope (7th Ave/9th St) nach Red Hook. Die Bushaltestelle dort kann man nicht verpassen, steht doch dort das so ziemliche jeder und jedem bekannte blau-gelbe schwedische Möbelkaufhaus. Wenn man dann, den auf gefühlte fünf Grad Celsius heruntergekühlten, Bus verlassen hat, erreicht man (im Juni bei gefühlten 30 Grad Celsius) in wenigen Fuß-Minuten den Fähranleger. Erwischt man die Fähre noch, geht es innerhalb kurzer Zeit los und schon legt der Katamaran wieder an. Denn es gibt am Fairway Market Red Hook eine Zwischenstopp.ikea_02Doch nach weiteren wenigen Minuten setzt die Fähre ein paar Meter zurück, wendet auf der Stelle und nimmt dann (so richtig) Fahrt in Richtung Manhattan auf. So schnell die Fahrt losging, ist sie auch schon wieder vorbei und wir sind inmitten Downtown Manhattans. Eine kurze, aber sehr sehenswerte Fährfahrt, denn man hat sehr gute Blicke auf Governors Island und auf die Skyline von Downtown Manhattan… Was die East River Ferry alles kann – später mehr an dieser Stelle.ikea_03 ikea_04 ikea_05

NYC alternativ: Bedford Stuyvesant

Kein Timesquare, kein Empire State Building, kein Central Park: Unser Urlaub in New York sollte dieses Mal ein anderer werden. Und er ist es geworden. Dank unserer vorangegangenen Reisen in die Stadt der Städte hatten wir genug von all den „normalen“ Zielen aus den Reiseführern. Es wäre Zeitverschwendung, das alles noch einmal zu machen. Also mussten Alternativen her. Die erste hieß Bedford Stuyvesant – der Kürze wegen in NYC einfach Bed Stuy genannt.

bed_04Viel ist geschrieben worden über diesen Stadtteil Brooklyns, der sich wie ein Keil unter Williamsburg und Bushwick schiebt. Es sei einer der letzten noch nicht gentrifizierten Teile New Yorks. Heißt es. Hier sei doch die Seele der alten Bewohner anzutreffen, weit weg von Luxuswohnen und Restaurants und Bars. Wir waren wohl etwas zu spät. Denn genau das haben wir gefunden: Teures Wohnen und schicke Restaurants. Klar, es gibt sie noch – die alten Bewohner. Man sieht sie in den Fastfoodketten sitzen, vor unsanierten Häusern stehen, auf den Hauptstraßen spazieren und besonders in der Nähe der heruntergekommenen Shoppingmeilen im Zentrum des Stadtteiles überwiegen noch die eigentlichen Einwohner Bedford Stuyvesants.bed_08Wo man sie nicht sieht, ist in den schicken Seitenstraßen mit den endlosen Reihen von Brownstones, den typischen Häusern hier in Brooklyn. Die meisten sind saniert und in den Parkbuchten davor parken deutsche Luxuslimousinen neben großen amerikanischen SUV. Wo man die alten Bewohner ebenfalls nicht sieht, ist in den schicken Restaurants und Bars, die das Viertel erobern. Der Wandel hat hier schon längst begonnen und von den alten und armen Bewohnern wird sich das hier bald keiner mehr leisten können.bed_09Die Geschichte ist am Ende in vielen Teilen der Stadt (und in jedem andren Land) die gleiche: Vor der Gentrifizierung kaufen sich die, die es sich leisten können, für relativ wenig Geld (aus deren Sicht) ein Haus, im Falle Brooklyn ist das meist ein Brownstone. In Bed Stuy soll man so ein Haus vor zehn Jahren für 50.000 Dollar bekommen haben. Häuser, die nun siebenstellige Werte haben. Genauso läuft das in Red Hook oder in Bushwick, zwei weiteren Stadtteilen Brooklyns, in denen sich der Wandel vollzieht oder schon vollzogen hat. Trotz allem oder gerade deswegen war der halbe Tag in Bed Stuy ein besonderer und gehört ab sofort in jeden Reiseführer New Yorks. bed_06bed_01 bed_07bed_03bed_05

Food Koop: Shoppingparadies & Arbeitshölle

koop_001Leben in New York ist nicht billig. Das merken nicht nur Touristen wie wir, sondern vor allem New Yorker selbst und im Besonderen jene, die auf Zeit dort wohnen. Unseren Freunden in Park Slope (Brooklyn) geht das genauso. „Es hat Monate gedauert, bis wir herausgefunden haben, wo wir Gutes preiswert einkaufen können“, sagen sie. New Yorker Preise sind schon netto nicht billig und hinzu kommen an der Kasse 8,875 Prozent: vier Prozent erhebt der Bundesstaat, die Stadt möchte 4,5 Prozent und 0,375 Prozent geht an den öffentlichen Nahverkehr MTA. Klingt im Vergleich zu den 19 Prozent Mehrwertsteuer in Deutschland recht gering – aber die Nettopreise an sich sind schon saftig genug. „Für vier Personen kommt man da schnell ans Limit“, erzählen die Auf-Zeit-Brooklyner. koop_04Da kam es ihnen gerade Recht, dass sie Nachbarn kennenlernten, die in der Food Koop PARK SLOPE Mitglied sind. Das ist eine der ältesten Nahrungs-Genossenschaften in den USA. Schnell merkten sie: Hier bekommt man Qualität zu günstigen Preisen. Alles etwa 40 Prozent preiswerter als woanders in Brooklyn oder Manhattan. Hat sich doch tatsächlich ein kleines bisschen Sozialismus nach Brooklyn eingeschlichen. „Außerdem ist das der einzige Laden, wo man zum Beispiel guten Käse bekommt, der auch noch bezahlbar ist“, sagen die Mitglieder. An das „normale“ Käse-Angebot in den „normalen“ Supermärkten Amerikas kann sich ein verwöhnter Deutscher nur schlecht gewöhnen. Das haben auch wir auf vielen Reisen immer wieder festgestellt. Alles Käse. Aber nicht ein guter. Kein Problem mehr: Nun gibt es ja die landwirtschaftliche Kooperation und dort ist das meiste auch noch Bio oder Öko oder beides oder zumindest ähnlich. Außerdem werden hier verschiedene Konzerne boykottiert, die nicht ins Konzept passen oder deren Arbeitsbedingungen/Methoden gegen den Strich der Koop gehen. Darunter Nestlé oder Coca Cola. koop_03Natürlich hat solch ein „sozialistischer“ Laden auch einen Haken. Mindestens. Wer Koop-Mitglied sein möchte, muss dafür etwas tun. Alle 16.000 Mitglieder sind Mitarbeiter und Kunden zugleich. 100 Dollar legt jeder auf den Tisch, die beim Verlassen der Kooperative wider ausgezahlt werden. Einkaufen darf aber nur, wer dort außerdem seine Stunden ableistet. Bei 16.000 Mitgliedern sind das einmal monatlich zwo Stunden fünfundvierzig, die jede(r) in der Koop zum Malochen antreten muss: Ware annehmen und verteilen, Regale auffüllen, Kartons falten und schnüren, Kassen-Lines organisieren, bedürftigen Mitgliedern das Gekaufte nach Hause tragen. Strenge Regeln gibt es dabei: Wer seinen Dienst nicht antritt, kommt auf eine rote Liste („Alert“) und wird beim nächsten Einkauf am Eingang darauf hingewiesen. Wiederholt sich das Fernbleiben von der Arbeit folgt die schwarze Liste („Suspended“) und das Einkaufs- und Zutritts-Verbot. Das Gerücht, beim dritten Blaumachen müsse man eine Woche zur Strafe in Russland arbeiten, wurde bisher nicht bewiesen und immer wieder dementiert. koop_01Auch musste bisher keines der Mitglieder in die Kommunistische Partei eintreten oder sich dem Sozialismus bedingungslos bekennen. Zumindest ist davon nichts bekannt. Bei einigen wird das allerdings stark befürchtet. Mehr Angst haben die meisten jedoch dabei erwischt zu werden, wie sie sich eine Kirsche oder eine Erdbeere in den Mund stecken. Denn eines ist trotz Mitgliedschaft strengstens verboten: Essen vor dem Zahlen. Als Gast darf man übrigens nach Anmeldung mit Reisepass gern mit hinein, in die Kooperative. Kaufen jedoch darf man nichts. Erinnert mich ein bisschen an die Intershops in der DDR, wenn man keine Forumschecks oder kein Westgeld hatte. Dann durfte man staunen. Aber nichts kaufen.