Traurig

In Erinnerung an Steffen Drenkelfuß: alter Freund, echter Schweden-Paddler, kluger Geist, streitlustiger Gefährte, wandelndes Weltlexikon. Wir vermissen Dich!

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Ein Abend mit Dresen, Prahl & Ehle und (leider) mit Gundi-Fans

Es hätte so ein richtig schöner Abend werden können. War´s ja auch. Eigentlich. Muss ja auch. Bei diesen Musikern auf der Bühne kann eigentlich nichts schief gehen. Neben Regisseur Andreas Dresen und Schauspieler Axel Prahl, die seit dem 10. Todestag-von-Gundermann-Konzert in der Columibiahalle zusammen spielen, waren Pankow-Gitarrist Jürgen Ehle, Tobias Morgenstern, Judith Holofernes, Hans-Eckard Wenzel und Gisbert zu Knyphausen mit von der Partie. Allein schon des virtuosen Spiels Jürgen Ehles wegen hätte sich der Weg ins Kesselhaus der Kulturbrauerei gelohnt. Natürlich gab es Gundermann-Lieder. Linda (Dresen), Vater (Prahl), Fährmann (Dresen), Brunhilde (alle) und viele andere mehr. Aber es gab eben auch Songs von Prahl. Und von Wenzel und auch von Knyphausen, ja, und auch Frau Holofernes hatte eigene Songs dabei. So war das geplant. So war´s gut. Wären da nicht diese Gundi-Fans gewesen. Weiblich, ledig, jung. Naja, nicht mehr ganz so jung. Mit (schlecht) nachgemachten Fleischerhemden aus dem Westen. Mit West-Jeans. Mit Fielmann-Nickelbrille. Die der Meinung waren, sie hätten Tickets für ein Gundermann-Gedächtnis-Konzert mit Gundermann-Liedern erworben. Und weil sie das dachten, skandierten sie jedes Mal, wenn auf der Bühne kein Gundermann-Lied lief, „Gundi, Gundi, Gundi“ im Chor und lauthals. So hatte ich mir bis dato Pegida vorgestellt: Keine Ahnung aber meckern.

Ich (und andere) haben es ihnen dann gesagt: Hallo, hallo? Hallo! Das ist hier kein Gundermann-Konzert. Sondern ein Konzert von Musikern anlässlich des 60. Geburtstages von Gundermann. Nirgendwo steht geschrieben, Dresen und Prahl singen Gundermann. Weder auf den Tickets, noch auf Plakaten, noch sonst irgendwo. Nirgendwo. Aber sie ließen sich nicht belehren. Gundermann würde sich angesichts solcher Fans im Grabe rumdrehen. Ich hab mich dann woanders hingestellt. Und da kam es dann noch schlimmer: Ein von denen stand dort und versuchte krampfhaft zu Gundermanns „Kommen und Gehen“ die zweite Stimme zu singen. Ganz schlimm. Klang n bisschen wie Oktoberclub. Hab ich ihr dann auch gesagt. Hat sie geantwortet: Kann ja gar nicht sein. Bin ich viel zu jung für. Ach? Zu jung? Da wurde mir einiges klar.

prahldresen01 prahldresen02 prahldresen03 prahldresen04 prahldresen05 prahldresen06 prahldresen07 prahldresen08 prahldresen09Fotos: berlinpankowblogger

Brigade & Volkskunstkollektiv

Irgendwie ist es wie bei einem Klassentreffen. Man kennt sich. Von damals, irgendwie. Man grüßt mal hier, mal dort. Pferdeschwänze sind angesagt, hauptsächlich jedoch bei den männlichen Besuchern. Gekleidet in T-Shirts (Springsteen, Gaslight Anthem, AC/DC), Jeanshosen und -jacken. Und Fleischerhemden haben natürlich auch ein paar an. Und tatsächlich, einige haben wirklich das Portemonnaie (schreibt man das noch so?) in der rechten Arschtasche von der Jeans. Es ist Freitagabend im Postbahnhof am Ostbahnhof. Die Seilschaft hat sich angesagt. Die Seilschaft von Gundermann.

Pünktlich 20 Uhr geht es los. Und schon nach den ersten Takten (ist da irgendwer, sag, wo kommst du her…) ist klar: Das Publikum ist Textsicher. Komplett. Keine Zeile, die einer nicht kennt.  Selbst ein paar Kinder, die heutev kostenlos rein durften, singen ein paar Takte mit. Christian Haase und die Seilschaft verzaubern uns mit Gundermann. Wie in einem Traum. Der von damals handelt. Das Volkskunstkollektiv auf der Bühne vershcmilzt mit der Brigade im Publikum. Immer wieder wächst das Gras, wild und hoch und grün,
bis die Sensen ohne Haß ihre Kreise ziehn, immer wieder wächst das Gras,
klammert all die Wunden zu, manchmal stark und manchmal blaß,
so wie ich und du. Als hätten alle zusammen vorher den Chorus eingeübt. Alles stimmt.
Ein großes Lied folgt dem anderen. Haase ist Gundermann und die Seilschaft musiziert, als wären die vielen Jahre Pause nicht existent. Eine große Party mit Gundermann, der schon lange nicht mehr dabei ist, nicht mehr unter uns ist. Und doch, an diesem Abend spürt man bei jedem Takt sein Anwesenheit. Und er muss sich nicht schämen. Ein singender Baggerführer ist Christian Haase zwar nicht. Aber doch ist er ein wenig Gundermann. Oder ein wenig mehr. Und alle feiern mit. Eine Party ohne Ende. Erst nach 130 Minuten verlassen die Musiker erstmals die Bühne. Um nach wenigen Minuten wieder zurück zu sein. Die Schwarze Galeere,  Sieglinde, und, natürlich, Nach Haus. Noch einmal sind alle diese eine Brigade, dieser eine Chor.

Und dann das letzte Lied. Abendstimmung von Karat. Trag mich fort, müder Tag, nimm mich mit, dem Morgen zu. Trag mich fort, müder Tag, halte mich, doch gib nun Ruh… Gesungen von Andy Wieczorek, der schon vorher mit mehreren Songs für Gänsehaut und auch ein paar Tränen sorgte. Die Band sitzt derweil auf dem Schlagzeugpodest und denkt an Gundi. Wie auch alle anderen im Saal. Und, so hat auch diese Party ein gutes Ende. Mit einem Lied nicht von, sondern für Gerhard Gundermann.

Unvergessen

Unvergessen. Unvergessen Deine Lieder. Besonders dieses. Besonders für mich. Und viele Freunde. Trägt es doch meine und unsere Gedanken wie kaum ein anderes. Und kaum eine Party vergeht, bei der nicht dieses, Dein Lied nachgeklimpert wird. Wir vermissen Dich Gundi. Wie kaum einen anderen. Du Bagger fahrender Kohlenmuckel. Du Springsteen aus dem Tagebau. Du leiser Liedermacher, der mit Notfallgepäck unter dem Arm durch die Lande reiste. Sing es uns noch einmal. Und immer wieder.

Ganz großes Kino. Zusammen mit Tamara.