Archiv der Kategorie: Uncategorized

Bloggerfreiheit

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Artikel 5
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Bilder aus der Fotokiste XIV

Throwback Thursday: Grad entdeckt in der Festplatten-Fotokiste. Ziemlich genau 45 Jahre ist das her. Einschulung in die Viktor-Koenen-Oberschule Merseburg Süd. Auf den Ranzen war ich ziemlich stolz damals. Um dann festzustellen, dass jeder einen hat.

Café-Sitzer

Ich gebe es gern zu: Auch ich arbeite hin und immer wieder im Cafés oder Kneipen. In solcherart Umgebungen bin ich oft kreativer als in meinem Arbeitszimmer daheim. Woran das liegt? Keine Ahnung. Ich vermute, dass so manche Szene, die ich beschreibe, besser gelingt, wenn ich sie sehen oder miterleben oder, besser noch, fühlen kann. Jedoch halte ich mich immer an gewisse Regeln, da ich selbst lang genug in der Gastronomie tätig war. Regel Nummer eins: Umsatz machen. Ich würde mir doof vorkommen, wenn ich einen Platz besetzen würde, ohne etwas zu konsumieren. Und so trinke ich Kaffee, Säfte, Wasser oder auch mal Bier oder Wein, wenn es passt. Aber scheinbar bin ich damit komplett aus der Mode. In dem Café, in dem ich es mir gerade gemütlich gemacht habe, passiert genau das Gegenteil. Also nicht bei mir – ich habe Cappuccino und Rhabarbersaftschorle vor mir stehen.

Die drei Mädels am Nachbartisch arbeiten an einem gemeinsamen Projekt für die Fachschule, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Sie waren schon da, als ich kam, sind also mindestens zwei Stunden hier. Auf dem Tisch stehen drei Laptops, die allesamt mit Strom des Cafés versorgt werden. Ebenfalls auf dem Tisch steht eine leere Tasse Kaffee mit schon angetrockneten Kaffee-Resten. Zu trinken haben die drei genug – allerdings nichts vom Café, sondern von daheim Mitgebrachtes. Die eine nippt an einer Plastikpulle Wasser, die sie immer wieder in ihrer Tasche versteckt, die anderen beiden holen sich regelmäßig Leitungswasser von Toilettenwaschbecken. Es sieht so aus, als ob sie noch eine Weile bleiben würden. Fazit: Ein besetzter Tisch für drei Stunden, Umsatz: 2,30 Euro.

Am Tisch daneben ein ähnliches Bild. Dort sitzen eine junge Frau und ein Typ, die beide wild auf die Tasten ihrer Macs einhämmern. Sie tun super wichtig, trinken oder essen aber – nichts! Die haben nicht einmal etwas bestellt oder gekauft. Kamen rein, stöpselten ihre Geräte in eine der reichlich vorhandenen Verteilerdosen, wählten sich (vermutlich) ins kostenlose Internet des Cafés und sitzen nun schon eine knappe Stunde dort. Fazit: Ein besetzter Tisch für wenigstens eine Stunde, Umsatz: Null.

Die spanischen Touristen am Tisch dahinter sind die Ausnahme: Sie trinken Saft und Kaffee und essen Sandwiches und Kuchen. Fazit: Ein besetzter Tisch für eine halbe Stunde, Umsatz: 25 Euro.

An den anderen fünf Tischen sitzt jeweils eine Person mit eingestöpselten Laptop und maximal einem Getränk. Gesamtfazit für die 90 Minuten meiner Anwesenheit: Den Umsatz von 50 Euro haben fünf von 15 Gästen gemacht. Unglaublich. Wie können sich die Betreiber das leisten? In dieser Gegend? Möchte nicht wissen, wie hoch hier die Miete ist. Und wie ein Geldwäschelokal sieht der Laden nicht unbedingt aus (man weiß es natürlich nicht). Ich trinke dann mal besser aus und gehe, bevor ich mich hier noch unbeliebt mache (bei den Gästen). Ich stelle mir vor, was ich denen sagen würde, wäre ich hier der Inhaber. Das lass ich hier aber mal weg, sonst ernte ich bloß wieder unqualifizierte Hasskommentare oder Shitstorm. Ich werde  trotzdem wieder hingehen. Denn bei all den Umsatzkillern hat der Laden, im Gegensatz zu vielen anderen in Berlin, einen entscheidenden Vorteil: Das Personal spricht Deutsch.

 

Keep on rockin´ in (for) a free world

Aus aktuellem Anlass #freedeniz

Zum Geburtstag

Vermisst: Der Kiezneurotiker

kiezneurotiker_offline_01Wer hat den Kiezneurotiker gesehen? Also seinen Blog? Seit ein paar Tagen, oder vielleicht auch schon länger, ist sein Blog nicht mehr zu finden. Dort, wo einst die besten Gastro-Kritiken der Stadt standen, wo mit spitzer Zunge das Kiezleben in Prenzlauer Berg verfolgt und dokumentiert wurde,  wo immer wieder auch meine Posts verlinkt wurden – da ist nichts mehr zu lesen, nichts mehr zu sehen.  Der Kiezneurotiker hat mich nicht nur gut unterhalten, sondern regelmäßig meine düsteren Tage gerettet.  Doch nicht nur das. Zwischen berlinpankowblogger und kiezneurotiker gab es eine, zumindest aus meiner Sicht, besondere Beziehung. Nicht nur, dass wir uns regelmäßig verlinkt haben. Wir hatten haben ähnliche Interessen, was gastronomische Einrichtungen und Urlaubsziele betrifft. So waren wir 2015 zur gleichen Zeit in Binz, ohne uns jemals zu begegnen. Allein anhand geposteter Fotos mussten wir feststellen, dass wir beide auf Rügen sind. Auf eine persönliche Begegnung habe ich seitdem immer wieder gehofft. Leider ist es nie dazu gekommen. Wo bist Du? Melde Dich doch mal. Viele Leser vermissen Dich und Dein Blog!

Edit: Es gibt (unbestätigte) Informationen, nach denen der kiezneurotiker seine Blogposts als eBook herausbringen wird und das Blog deshalb offline ist.

Erinnerungen an die Zukunft

bpb_neues_jahrBei mir sind es die schönen Erinnerungen, die mich immer wieder positiv in die Zukunft schauen lassen. Nicht der Glaube, sondern die Überzeugung, dass sich die guten Ereignisse der Vergangenheit wiederholen werden. So oder anders, das ist egal. Wichtig ist, dass wir weiterhin die Zeit für jene Menschen und Dinge haben, die uns wichtig sind. Zeit, die man sich manchmal auch nehmen muss. Manchmal reicht ein Lächeln, eine Berührung, ein Wort. Es müssen nicht immer die großen Gesten sein. Dazu noch das Wissen, dass Freundschaft auch weiterhin zählt, dass man sich auf jene verlassen kann, die einem viel bedeuten. Hat man das alles, ist man reich. Ich hab es. Das bedeutet Glück. Glück und Gesundheit wünsche ich allen Freunden und Lesern!

Against Me

Es war ein großartiger Abend im SO36.  Schon wegen der beiden Vorbands Mobina Galore und Milk Teeth hätte sich der Besuch gelohnt. Punk aus Kanada und aus England. Herrlich einfach und schnöde, kein Rumgezicke auf den Instrumenten. Klarer geht Punk wohl kaum. Dann aber standen sie endlich auf der Bühne: Laura Jane Grace, James Bowman, Inge Johansson und Atom Willard von Against Me. Ich hatte die Band aus Gainesville/Florida zuletzt 2014 in Tempe/Arizona als Support von The Gaslight Anthem gesehen. Ich kannte sie vorher schon, auch aus der Zeit, Lara noch Tom (Gabel) war. Nicht jedoch live, Tempe war die Premiere für mich.  Und damals stand fest: Das nächste Konzert in Deutschland darf ich nicht verpassen. Nachdem ich dann auch noch das neue Album Shape Shift with Me (eine „Transperspektive“ auf Liebe und Sex) gehört hatte, war klar, dass ein Konzerbesuch Pflicht sein würde. Und es kam wie erwartet: Laut, schrill, grandios. Transgender Laura & Kollegen hauten einen Song nach dem anderen von der Bühne, neue Songs, alte Hits mit dermaßen viel Power und guter Laune, dass das komplette SO36 ausflippte. Ich hab (leider nur) mit dem Handy einen Klassiker aufgenommen. Und für alle, die weder Sängerin Lara noch Tom kennen, hier die Version, als Lara noch als Tom auf der Bühne und im Leben stand:

 

 

Alle Jahre wieder

Sehr geehrte Damen und Herren, Vollpfosten, Idioten, Blödmänner, rechte & linke Spinner + der Rest vom asozialen Hass-Volk: Auch zum Ende des Jahres 2016 wieder einmal ein Hinweis in eigener Sache. Wer hier etwas kommentieren möchte, muss sich an Regeln halten. Keine besonderen, nur die ganz normalen Regeln im Umgang mit ganz normalen Menschen. Mir ist bewusst, dass dies viele von Ihnen und von Euch überfordert. Es ist eben nicht so einfach, ohne Schulabschluss, ohne jemals Zeit in der wahren Arbeitswelt verbracht zu haben,   nach über zehn Jahren Frauentausch auf RTL auch nur einen Satz geradeaus zu schreiben. Sollten Gebildete unter Ihnen sein: um so schlimmer. Hass-Tiraden und dumme Sprüche könnt Ihr weltweit in den sozialen Netzwerken hinterlassen. Jedoch nicht hier. Dies ist mein Blog, hier gelten meine Regeln. Ihr habt ja noch nicht einmal den Arsch in der Hose, eine gültige Mailadresse oder einen richtigen Namen zu hinterlassen. Ihr traut Euch das nur anonym. Kein Arsch, keine Eier, kein Rückgrat. Nichts. Ein besonderer Hinweis an jene(n), die/der mich hier immer mal wieder als „Zecke“ bezeichnet (ROFL): Ich empfehle Ihnen dazu ein Expertengespräch. Eine Liste derer finden Sie hier:

http://www.psychiatrie-in-berlin.de/mitglieder.php

Paddeln in Schweden 2016

sw16_01Unser Paddelurlaub ist nun schon wieder sechs Wochen her. Höchste Zeit für einen kleinen Bericht. Ziel dieses Mal war das Värmland. Ein kleines Kanucamp dort war unser erster Anlaufpunkt. Ein Teil der Gruppe (insgesamt 16 Paddler) kam mit Flugzeug und Mietwagen über Oslo (u.a. ich), alle anderen mit ihren eigenen Autos über Brücken oder Fähren oder beides. Samstagmittag waren alle vor Ort und nach dem Transport der Boote zur Einsetzstelle ging es auch schon los. Zumindest fast. Denn zunächst mussten die Boote beladen werden: Zelte, Schlafsäcke, Klamotten für sieben Tage, Essen für 16 Leute, Wasser, Bier, Wein und diverses Hochprozentiges. Zusätzlich noch eine Gitarre und jede Menge Ausrüstung, wie z.B. eine acht mal sechs Meter große Plane (die uns später noch vor so manchem Regentropfen geschützt hat).sw16_05Im Kanucamp kann man zwei Einsetzstellen wählen: Entweder wird man zum Glaskogen gefahren oder, wie wir, zum Värmeln. Die erste Tour war denn recht kurz, denn wir wollten alle erst einmal ankommen und noch rechtzeitig einen guten Biwakplatz finden. Dies war etwas schwieriger als geplant (und gewohnt). Im Gegensatz zur vorangegangenen Tour (2013 Lelang/Dalslandkanal) gab es diesmal nicht so viele schöne Plätze. Vor allem nicht für 16 Personen in sieben Zelten. Das wurde mehrfach ganz schön eng und so manches Mal standen die Zelte „auf Blaubeeren“.sw16_02Das Ziel am zweiten Tag hieß Campingplatz Borgvik. Dort bestand die größte Chance, ein(e) Lokal/Kneipe mit TV zu finden. Es war der Sonntag des Fußball-WM-Endspiels und das wollten (fast) alle sehen. Es sollte aber anders kommen. Zum Campingplatz hätten wir unsere Boote einen großen Weg abwärts umtragen müssen, was auf Grund der Beladung der Canadier ohne Umtragewagen nicht nur hin eine große Belastung gewesen wäre, sondern vor allem auch am nächsten Tag zurück. Das stand fest: Wir mussten wieder zurück, um auf unsere geplante Tour zu kommen. Nicht gerade mit der besten Laune (denn dies hätte man uns durchaus im Kanucamp verraten können) fuhren wir zurück und suchten den nächsten Biwakplatz. Dort angekommen, zogen Regenwolken auf und die große Plane kam zu ihrem ersten Einsatz. Der Abend hat dann doch noch ein gutes Ende genommen: Freunde aus Halle hatten nicht nur ein Tablet dabei, sondern auch DBVT-Antenne (oder etwas in der Art) und Zubehör. So dass die Fußballfans noch auf ihre Kosten kamen.sw16_03Am Folgetag fuhren wir den Värmeln Richtung Norden. Die Ziel-Pläne wurden diesmal jedoch vom Wind zerstört. Dieser wurde immer stärker, die Wellen im höher und irgendwann entschlossen wir uns, an einem öffentlichen Badestrand anzulanden. Denn jede Weiterfahrt hätte nicht nur unsere Ausrüstung, sondern auch uns gefährdet. Also ran an den Strand und Zelte aufgebaut. Irgendwann bekamen wir noch Besuch von dort lebenden Schweden, die uns zwar kritisch beäugten, uns aber nach dem schwedischen Jedermannsrecht mehr oder weniger willkommen hießen (auf Grund der beträchtlichen Zahl Leute/Zelte/Boote). Der Wind nahm und nahm nicht ab, so dass wir an diesem Abend die große Plane nicht als Regen- sonders als Windschutz einsetzten (mehr oder weniger erfolgreich). Am späteren Abend nahm der Wind ab und ein Bilderbuch-Sonnenuntergang versöhnte uns mit dem Wettergott.nachtlager_strand_01 (2)Am Morgen war der Wind noch da, hatte aber so abgenommen, dass wir starten konnten. Auf ging es weiter zunächst gen Norden. Kurz vor dem Mittag erreichten wir einen Seitenarm des Sees, den wir uns als nächstes Ziel gesetzt hatten. Kurze Zeit später erwischte uns wieder Regen. Das Ziel kurz vor uns paddelten wir jedoch weiter, um möglichste schnell zum Ziel zu kommen. Das geplante Umtragen musste doch zunächst ausfallen. Wir waren froh, eine kleine Insel mit Platz für uns alle zu finden und bauten im leichten Regen die Zelte auf.sw16_08Am nächsten Mittag stand fest: Auch dieses Mal wird es nichts mit Umtragen. Auch dieses Umtragestelle schien unbezwingbar lang und vor allem auch steil. Dies und das eher schlechte Wetter (immer wieder Regenschauer) hielt uns dort zwei Nächte fest. Am „Pausentag“ unternahmen wir lediglich eine Paddeltour (ohne Gepäck) in eine benachbarte Bucht. Die Abende dort aber waren eher sonnig und so stieg die Laune wieder. Zelte und Klamotten konnten trocknen und der Wein floss wie der Regen am Nachmittag in Strömen (und auch das Bier und der eine oder andere Wodka).sw16_04Am Donnerstag erwartete uns dann noch einmal eine größere Strecke, die wir mit mehreren Regenpausen (am Ufer unter Bäumen) meisterten und so landeten wir am vorletzten Abend auf dem schönsten Biwakplatz der gesamten Tour. Genug Platz für alle Zelte, genug Holz und ein Postkartenblick auf den See und die Umgebung. sw16_09Der letzte Tag unserer Paddeltour führte uns zunächst in das (dort) berühmte Värmskogs Café, wo wir uns es nicht nehmen ließen, die Spezialität des Hauses zu verspeisen: Eine Scheibe Weißbrot gekrönt mit einer schier unglaublichen Menge Garnelen, gekochten Eiern und Majonaise: „75-grams tekaka med dubbelt så mycket räkor“ – übersetzt: ein 75-Gramm Muffin mit der doppelten Menge Garnelen. Nach diesem Eiweiß-Schock fanden wir unsere letzte Insel – ebenfalls ein schönes Fleckchen inklusive bestem Badewetter. Am Abend landeten die letzten Kartoffeln sowie Zwiebeln, Schinken und Wurst im Kessel und sw16_07Ein gelungener Abschied einer wieder mal wunderbaren Schweden-Paddel-Tour (mit Abstrichen). Am Ende bleiben aber eh nur die schönen Erinnerungen. Der letzte Tag gehört nicht unbedingt dazu: Wieder machten Wind und große Wellen uns zu schaffen. Aber alle sind gut angekommen und nach einer Irrfahrt zweier Fahrzeuge (u.a. ich) kamen dann alle wieder gut nach Hause. Freunde und ich hatten (auch schon vor der Tour) am letzten Tag noch einen wunderbaren Abend in einem der besten Restaurants von Oslo. Aber das ist eine andere Geschichte.sw16_06Natürlich gab es auch dieses mal wieder Stockbrot.

Fellfressen im Kniebundstyle

Es muss irgendwann in den letzten Monaten passiert sein. Unbemerkt von den meisten. Oder auch nur von mir. Früher jedenfalls, wobei früher soviel wie „bis vor wenigen Wochen“ heißt, kamen mir in der erweiterten Nachbarschaft – also z.B. am Kollwitzplatz, in der Schönhauser Allee, auf der Wisbyer Straße – junge Väter entgegen, die einen Kinderwagen vor sich her schoben. Manchmal mit, manchmal ohne Frau. Immer öfter ohne. So kam es mir jedenfalls vor. Sie (die Väter) trugen Jeans, teure Turnschuhe. Manche hatten auch diese schwarzen oder braunen Lederschuhe an, nach Maß gefertigt in London. In der Jeans steckte ein hellblaue/weiß gestreiftes Hemd, oder auch nur  hellblau. Manchmal auch grün. Oder rosa. An warmen Tagen war´s dann dann auch schon, an kühleren Tagen, die es auch im Sommer immer mal wieder geben soll, hatte der eine oder andere Papa ein Jackett an, lässig über Hemd und Jeans getragen. Natürlich Schurwolle. Selbstverständlich.

Im Gesicht trugen die Väter einen lässigen Dreitagebart. Bis auf jene, die ihrer Gesichtshaut jeden Morgen eine frische Rasur gönnten.  Passend dazu schoben sie den Inglesina Classica, kurz vor der Geburt des lieben Kleinen für 1250 Euro günstig bei Ebay geschossen. Oder, besonders hier beliebt, der Domino Twin oder gar der TFK Trio Twist. So war das hier. So ist es aber nicht mehr. Jetzt verkehrt man hier dort anders. Ganz anders. Manche Exemplare machen mir inzwischen Angst. Bei einigen der – jenseits der Wisbyer ansässigen – Väter überlege ich regelmäßig, ob der Kinderwagen Fake ist. So ganz ohne Kind(er). Einfach nur so, weil´s zum Image hier passt. Die Zeit der DreitagebartOderGlattRasiertenVäter ist vorbei.

Alle tragen Bart. Richtig Bart. So einen langen Bart. Fellfresse hieß das bei uns früher. Unten Kinderwagen. Oben Bart. (Wahrscheinlich) unten rasiert. Oben nicht. Aber das ist noch nicht alles. Statt Turn- oder Maßschuhen tragen die Herren nun Travelin Trekking Boots. Oder gleich Springerstiefel. In Rot. Selbstverständlich. Ginge ja vielleicht noch. Aber warum müssen es ausgerechnet diese Hosen sein? Country Line Trachtenhose im Kniebundstyle.  Ziegenvelour Wildbock. Gibt´s wirklich. Da komm ich nicht mehr mit. Das ist nicht mehr lustig. Das retten auch Army-Tarn-Shirt und Outdoor-Softshell-Funktions-Jacke nicht mehr. Ganz im Gegenteil. Fellfressen im Kniebundstyle. Was kommt danach?

 

Paddeln in Schweden 2016

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub und manchmal bleibt nicht viel Zeit zwischen den Reisen. So auch in diesem Jahr. Kaum zurück vom Alternative-NYC-Urlaub, geht es schon wieder los Richtung Norden. Paddeln in Schweden. Mal wieder. Schon vor drei Jahren hatten wir dieses wundervolle Erlebnis weit weg von der Zivilisation, weit weg von allem Alltäglichem. Ruhe, Ruhe, Ruhe. Gefolgt von Stille und Lagerfeuer und Gitarre und Essen aus dem Feuertopf und und und. Freunde. Und sonst nichts. Irre. DAS ist Erholung.  Die neuen Fotos/Berichte von dieser Tour folgen natürlich, an dieser Stelle gib es jedoch nur Eindrücke aus 2013:pad079 pad130pad102 pad134pad122

Long Island – luxuriöse Idylle I

Sonnabend, 4. Juni

Beim elften USA-Urlaub ist es irgendwie ein bisschen wie nach Hause kommen: Sobald ich hier bin, fühle ich mich wohl, frei und weit weg von allen Zwängen des Alltäglichen. Für viele sicher nicht nachvollziehbar, warum es mich (uns) ausgerechnet immer wieder in die Staaten zieht. Eine Erklärung ist auch nicht einfach. Trotzdessen kann man es kurz fassen: Die Kombi aus unvergleichlicher Landschaft, wunderbaren Menschen und einer besten Infrastruktur für Urlaubsreisen on the road. Jedes noch so kleine Nest hat wenigstens ein Motel, über all wird man zuvorkommend und freundliche empfangen (und das ist keineswegs oberflächlich) und über die Landschaft mit ihren National-und Stateparks muss man nicht viel erzählen – die sind einfach atembraubend oder wunderschln oder interessant oder alles zusammen.

2016 also Long Island und Brooklyn. Der Flug mit United fing nervend an. Wegen Überbuchungen mussten mehrere Fluggäste die Boeing 767-400 verlassen und natürlich auch ihr Gepäck mitnehmen. Das dauert 90 Minuten, die wir aber irgendwie aushielten. Der Flug selbst war dann wieder gut, zum ersten Mal bekamen wir in der Holzklasse ein Eis zum Dessert. Auch sonst war der Service besser als gwohnt und das essen schmackhafter. Die Einreisekontrolle verlief schnell und reibungslos, so dass wir 45 Minuten nach Landung bereits in unserem Cadillac in Richtung Bay Shore saßen, unser erstes Ziel auf Long Island. Einchecken, Umgebung checken, Kneipen erkunden. Nach dem ersten Burger sowie dem ersten local Draftbeer ging´s in die Betten der Travellodge Bay Shore.

DSC_7490 (2)

Sonntag, 5. Juni

Der zweite Tag war regnerisch kühl, weshalb wir uns entschlossen, den Shoppingtag vorzuziehen. Auf zum Tanger Outlet Riverhead, zu Kohl´s, zum Walmart sowie einen Abstecher nach Port Jefferson, damit der Tag auch ein richtiges Ziel hatte. Nach einem (oder zwei?) Bier at Tommys Place (30 Biersorten vom Fass) ging es wieder nach Bay Shore. Am Abend hatten wir (fast) alles, was wir wollten: Jeans, Jacken, Mützen, Ansichtskarten und Zahncreme für die Freunde daheim. Weil es am Abend zuvor so schön war, besuchten wir das gleiche Lokal namens Local gleich nochmal und wurden mit einem wunderbaren Pulled Pork Sandwich belohnt.

DSC_7475

Montag, 6. Juni

Schon beim Aufstehen (für mich sechs Uhr dreißig – ich brauche immer ein bisschen, um die Zeitumstellung auf die Reihe zu bekommen) ist klar: Das wird ein heißer Tag. Um acht sind es schon 28 Grad (in der Sonne) und so machen wir uns nach dem outcheck auf den Weg in Richtung Jones Beach State Park.  Nach einem kurzen Stopp am westlichen Ende des Islands fahren wir zu den Stränden des Stateparks, blechen zehn  Dollar, um parken zu dürfen und verlassen das Areal kurze Zeit wieder. Hier ist der Teufel los, als wäre ganz New York ausgerechnet heute hergekommen. Oder ist das immer so? Wir wissen es nicht und netschließen uns zur Weiterfahrt, es wird ja noch andere öffentliches Strände geben. Genauso ist es: ein paar Meilen weiter ist genügend Platz zum Parken und wir laufen (endlich) barfuß durch den sonnenwarmen Sand an einem breiten und langen Strand. Gilgo Beach heißt das hier und es ist so, wie ich es mir vorgestellt hatte: Ein langer breiter Strand und die Wellen des atlantischen Ozeans umspülen unsere nackten Füße auf einer kurzen Wanderung in Richtung Osten. Die Seele baumelt und ich merke, wie sich alles in mir entspannt. Urlaub. Endlich Urlaub. Dann geht es weiter ans Ende von Long Island – nach Montauk Doch dazu später.

DSC_7504 (2) DSC_7508 (2)

Die (fast) letzte Bilderbriefkiste dieser Welt

KK100Sie steht immer noch da, wo ich sie beim Einzug vor knapp zehn Jahren hingestellt habe: Die kleine Kiste mit den Dingen von damals: mit ein paar Liebesbriefen aus der Jugendzeit, Fotografien in schwarzweiß, ein paar bunte Dias sowie wenige Aufzeichnungen. Gedichte, die ich damals schrieb, Gedanken übers Leben und den Sinn und überhaupt. Hätten wir einen Boden, stünde sie bestimmt schon dort. Denn geöffnet habe ich sie nur selten, eigentlich fast gar nicht. Aber sie ist da und wäre auch noch da, wenn ich nicht mehr da bin. So ist das eben mit alten Erinnerungskisten. Sie gibt es schon ewig und fast jeder hatte eine solche auf dem Dach, wo sie dann von der nächsten oder übernächsten Generation gefunden wurde.

Eine spannende Sache war das, ich erinnere mich, als ich eine solche Kiste im Dachverschlag meiner Großeltern fand. Mit Briefen und Rezepten, teils in deutscher Sütterlinschrift geschrieben, teils in noch älterer Kurrentschrift. Darunter lagen vergilbte Fotos, auf denen Soldaten und Schüler in Uniform, WM204neuganze Familien in Wohnzimmern und Landschaften zu sehen waren. Wer ist das auf den Fotos? Fragte ich damals die Eltern. Doch auch sie wussten nicht auf jede Frage eine Antwort, die Herkunft so manchen Fotos ist bis heute ungeklärt. Und so bin ich immer noch auf der Suche. Auf der Suche nach den Unbekannten, die sich damals haben fotografieren lassen und dann auf welchen Wegen auch immer in die Fotokiste meiner Großeltern fanden (siehe Foto oben).

Bisher ist es ungewiss, ob ich je erfahren werde, wer die elf jungen Herren sind. Gewiss ist: Es war eine der letzten alten Bilderbriefkisten dieser Welt. Denn JPEGs und E-Mails und Whatsapp-Nachrichten kann man (leider) nicht in Kisten packen und auf den Boden stellen.

Pressefreiheit