Zehn Jahre berlinpankowblogger

Irre. Unglaublich. Nicht zu fassen. So etwa dachte ich neulich, als mir bewusst wurde, dass mein Zehnjähriges näher rückt. Nun ist es soweit: Heute vor zehn Jahren ging berlinpankowblogger online. Wahnsinn. Zehn Jahre, in denen viel passiert ist in der Welt, in Deutschland, in Berlin. Zehn Jahre, in denen sich mein Blog entwickelt und gewandelt hat. Bevor ich anlässlich dieses Jubiläums ein paar Statistiken posten möchte – Vielen Dank allen Lesern und besonders den Stammlesern, die mir die Treue gehalten haben!

Zehn Jahre berlinpankowblogger – das sind knapp 400.000 Besuche, also im Schnitt etwa 40.000 pro Jahr. Wobei es klein anfing. 2007 freute ich mich über 1843 Besuche, ein Jahr später waren es schon 18.738. So steigerte sich das weiter bis zu 80.000. Pro Tag kommen hier zwischen 150 und 500 Leser vorbei. Ich habe 1307 Beiträge verfasst, eine Liste der Top 10 steht unten. Wie viel ich inzwischen über Reisen poste, zeigt die Topliste der Suchwörter, mit denen mein Blog gefunden wurde: Platz eins geht an New York (12.159 Suchanfragen), zwei an San Francisco (6108), Rang drei an „Regenbogen“ (3045). Insgesamt gab es 175.432 Suchanfragen im Netz, die hier endeten.

"New York" - über 12.000 Leser fanden mit diesem Suchwort zu meinem Blog

„New York“ – über 12.000 Leser fanden mit diesem Suchwort zu bpb

In den Jahren habe ich insgesamt fünf Designs bzw. WordPress-Themes ausprobiert, das aktuelle gibt es jetzt unverändert seit sieben Jahren. Ich habe 943 Follower, die Hälfte hier per RSS-Feed, die anderen bei Facebook und Twitter.  Als ich anfing, hieß das noch Weblogbuch und eigentlich sollte Block330 mein Hauptblog werden. Nun, es ist anders gekommen. Zu meiner Medien– ähm Blog-Gruppe gehören außerdem noch der berlinpankowknipser und seit einem Jahr das Online-Magazin Yachtblog – mein neuestes Projekt, das ich gemeinsam mit einem Freund betreibe. Hier aber nun ein Prosit! sowie die Top 10 der bpb-Leser:

  1. Kannst Du „Als ich wie ein Vogel war?“
  2. Freitags
  3. Kasse mit 465
  4. Ins linke Licht gerückt
  5. Als Penner
  6. Food Koop – Shoppingparadies & Arbeitshölle
  7. Radulf-Kevins Kinderkotze
  8. …und keiner fragt nach Bruno Gröning
  9. Badekappe Pflicht
  10. Ich bin so wild nach deinem Erdbeerhof
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Erinnerungen an die Zukunft

bpb_neues_jahrBei mir sind es die schönen Erinnerungen, die mich immer wieder positiv in die Zukunft schauen lassen. Nicht der Glaube, sondern die Überzeugung, dass sich die guten Ereignisse der Vergangenheit wiederholen werden. So oder anders, das ist egal. Wichtig ist, dass wir weiterhin die Zeit für jene Menschen und Dinge haben, die uns wichtig sind. Zeit, die man sich manchmal auch nehmen muss. Manchmal reicht ein Lächeln, eine Berührung, ein Wort. Es müssen nicht immer die großen Gesten sein. Dazu noch das Wissen, dass Freundschaft auch weiterhin zählt, dass man sich auf jene verlassen kann, die einem viel bedeuten. Hat man das alles, ist man reich. Ich hab es. Das bedeutet Glück. Glück und Gesundheit wünsche ich allen Freunden und Lesern!

Der Medien neues Sprachpräkariat

herzlos_01Dass die Frage- statt der Feststellung zum guten Ton gehört, kann und will ich nicht akzeptieren. Nicht nur, das es sich immer wieder gräulich anhört. Geschrieben zeigen diese Fragen  noch mehr ihre Nähe zum Sprachpräkariat (SPP), wo solcherlei herkommt. Die berühmteste kennt jeder: Wie geil ist das denn? Nicht sehr, finde ich. Wenn auch der Duden inzwischen neben der klassischen Bedeutung „(oft abwertend) gierig nach geschlechtlicher Befriedigung, vom Sexualtrieb beherrscht, sexuell erregt“ eine weitere hinzugefügt hat: (salopp) in begeisternder Weise schön, gut, großartig, toll. Mal ganz abgesehen von der im Duden genannten landwirtschaftlichen Geilheit, die einen zu stark gedüngten Boden oder wuchernde Pflanzen beschreibt…

Nein, es geht hier um die Fragestellung, wo es doch eine Feststellung sein sollte. Man könnte ja schreiben: Das ist geil. Das ist schön. Oder auch Das ist Herzlos. Wobei wir beim Thema wären. Sich in derart Fällen des SPP zu bedienen,  finde ich nicht nur überhaupt nicht geil, sondern sprachgestört und unschön noch dazu. Besonders, wenn dies in Medien auftaucht oder von mehr oder weniger angesehenen PolitikerInnen verwendet wird. Wie herzlos ist das denn? titelte jüngst die Mitteldeutsche Zeitung online zu einer Geschichte, bei der ein Junge mit Tierallergie ein Flugzeug verlassen musste (statt des Hundes). Damit nicht genug, bedient sich die MZ auch noch einer weiteren Floskel, die sich ebenfalls aus dem SPP ins Deutsch der (Ein)Gebildeten geschlichen hat: geht mal gar nicht. Ja, da habt Ihr Recht: das geht mal gar nicht.

herzlos_02Da bleibt einem nicht nur die Spucke weg, sondern das macht einen schon ganz schön sprachlos. Eine Hoffnung bleibt: Möge spuk ein unterbezahlter Online-Praktikant sein. Sollte sich jedoch hinter jenem Kürzel spuk ein(e) ausgebildete(r) Redakteur(in) verbergen, wäre das nicht nur gruselig, sondern könnte den Verdacht erwecken, man wolle sich dem SPP annähern. Was wiederum andere unschöne Fragen aufwerfen würde. Und weil es so schön doof aussieht, gleich noch ein Beispiel für blöde Fragen:

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Alles Gute zum 60., liebe Julia!

Alles Gute zum 60., liebe Julia! Gern hätten ich (und andere) heute mit Dir gefeiert. Warum bist Du nur gegangen? Ich hatte Pläne. Sooo viele Pläne. Und Ideen. Und, und, und. Du hast uns verlassen, aber nicht unsere Herzen. Darin lebst Du weiter fort. Und natürlich in Deiner Tochter. Sie hätte Dich heute gern umarmt.

Hier nochmal mein Post für Julia von 2009:

Es lief im Radio. Letzte Woche. Selten, dass sie mal Renft spielen. Aber letzte Woche lief es, das Lied. Und plötzlich waren alle Erinnerungen wieder da. Glasklar. Als wenn es gestern gewesen wäre.

Sie hieß Julia. Kurze, rote Struwwelhaare, grüne Augen. Zerrissene Jeans, kunterbuntes, selbst bemaltes T-Shirt, Parka. Sie war 32, fast zehn Jahre älter als ich damals. Im Turm, dem Studentenklub von Halle, hatten wir uns kennengelernt. Wir waren die letzten Gäste, nach einem Konzert. Ich hatte gerade meine letzte Mark für ein Bier ausgegeben. Sie ihre letzten Pfennige für ein Schmalzbrot. Wir haben beides geteilt. Und sind danach durchs dunkle Halle zu ihr gelaufen.  In einer eisigen Winternacht.

Altbau Hinterhaus, zweiter Stock. Dunkle Kälte. Strom hab ich schon lange nicht mehr, sagte sie, zündete Kerzen an. Und den Gasherd. Bei offener Klappe kam so etwas Wärme in die Küche. Kohlen kommen erst nächste Woche. Wenn ich sie bezahlen kann. Julia ging nicht arbeiten. War bei der Stadt als “kriminell gefährdet” eingestuft.  Aber die lassen mich in Ruhe, sagte sie. Weil ich plem plem bin. Plem plem? War in der Irrenanstalt. In Altscherbitz. Wollen wir nicht über was anderes reden? Klar, sagte ich.

Wir redeten bis zum Morgen. Und tranken Wein. Selbstgemachten Kirschwein. Aus einem großen Ballon, der neben dem Küchentisch stand. Und Julia erzählte doch noch ihre Geschichte. Von Schlägen daheim, vom Kinderheim, von Lügen. Lügen ihrer Mutter. Die nicht wahr haben wollte, was der Vater jahrelang mit der Tochter gemacht hatte. Niemand hatte ihr geglaubt. Deshalb wurde sie eingewiesen.  Dort, sagte sie, hat man wenigstens so getan, als ob man mir glauben würde. Glaubst Du mir? Fragte Julia beim Abschied und bevor ich antworten konnte – sag jetzt lieber nichts. Und vergiss mich, so eine wie mich, so eine hat man nicht als Freundin.

Ich konnte sie natürlich nicht vergessen. Hab sie hin und wieder besucht. Mit ihr die Kohlen in den Keller getragen. Kirschen gepflückt, für den neuen Wein. Nächtelang in der Küche gesessen. Dann fragte sie mich, ob ich denn die Gitarre mal mitbringen könne. Sie hätte mich da letztens spielen sehen, in der Band, beim Straßenfest. Als ich mit der Gitarre kam, hatte Julia gekocht. Kartoffelsuppe mit Wiener Würstchen. Die beste Kartoffelsuppe, die ich je gegessen habe. Kannst Du “Als ich wie ein Vogel war” singen? Klar konnte ich. Renft, das gehörte zum Standartrepertoire. Damals.

Julia sang mit. Den Refrain: Irgendwann will jedermann raus aus seiner Haut. Irgendwann denkt er dran, wenn auch nicht laut. Das ist jetzt unser Lied, sagte sie. Wenn ich es in Zukunft höre, denk ich an dich. Und wenn Du es hörst, könntest du ja auch an mich denken. Ach Julia, ich denk doch sowieso oft an dich, sagte ich. Und wollte ihr sagen wie sehr ich oft an sie denken muss. Sie hatte wohl so etwas geahnt, bat mich, jetzt nichts zu sagen und dafür weiter zu spielen. Wir sangen und saßen wieder mal bis zum Morgen.

Es war der letzte Morgen mit Julia. Ein Unfall. Hieß es damals. Heute weiß ich, dass es keiner war. Freunde haben mir später erzählt, dass sie einen Abschiedsbrief hinterlassen hatte. Irgendwann will jedermann raus aus seiner Haut. Irgendwann denkt er dran, wenn auch nicht laut. Stand darauf.

1000 mal Danke

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Dies ist mein Post 1002 auf berlinpankowblogger. Also habe ich die Eintausend überschritten. Bei anderen Blogs sind das Peanuts. Oder, wie wir hier sagen, Pipppifffatzzz. Für mich jedoch sind das eine ganze Menge Posts, die ich hier in den letzten Jahren hinterlassen habe. Ein Anlass Danke zu sagen. Danke an alle treuen LeserInnen. Außerdem ein Anlass, Euch und allen anderen die Top 10 auf bpb noch einmal zu zeigen:

1. Kannst Du Als ich wie ein Vogel war?

2. Nackte Tatsachen

3. Ins linke Licht gerückt

4. Regenbogen

5. Kasse mit 465

6. Höllen-Hochzeit

7. …und dann bring ich sie um

8. Bundeswehrbewerbungsbogen

9. Bahn sechs

10. Bettflucht

Ein Sonder-Dank geht an ppq und den kiezneurotiker!

Edit: Der am häufigsten aufgerufene, auf anderen Blogs, verlinkte Post:

Revolution in Karow