Du warst selten so wie wir

Zum 30jährigen (selbst gewählten) Todestag einer Freundin

(Geschrieben hab ich´s allerdings schon vor einigen Jahren, 2014 dann vertont und 2015 zum ersten Mal öffentlich vorgetragen, also vor Freunden)

für julia (1955-1988)

 

fast jeden tag saß ich ganz dicht

bei dir im dunklen kerzenlicht

in deinen augen schlief ein stern

ganz tief in dir, und doch so fern

 

tausend blicke, kaum ein wort

sprachst du aus, träumtest dich fort

mein stern wird tausend sterne sein

klagtest du, sie ist doch mein

 

warum hab ich nichts

warum hab ich nichts

warum hab ich nichts gesagt?

 

irgendwann will jeder mal

ganz anders sein als nur egal

du warst selten so wie wir

auch nicht wie ich und doch bei mir

 

gemeinsam träumten wir vom meer

vom abhauen ohne wiederkehr

gegangen bist du ohne mich

in die dunkelheit, dahin wo kein licht

 

warum hab ich mich

warum hab ich mich

warum hab ich mich nicht gewagt?

 

noch heut denk ich manchmal daran

träum dabei die sterne an

seh da oben dein gesicht

warte, dass du mit mir sprichst

 

dein abschied will ich nicht verstehn

´n eignen weg wolltest du gehn

dieser weg – er war auch mein

wolltest doch dagegen sein

 

warum hab ich nicht

warum hab ich´s nicht

warum hab ich´s dir nicht gesagt?

 

fast jeden tag saß ich ganz dicht

bei dir im dunklen kerzenlicht

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10.316 Tage. Oder 10.315?

10.316 Tage stand die Mauer, genauso lange ist sie nun weg. Für mich ist die Zeit ohne Mauer nun auch länger als mit: 24 Jahre mit, 28 Jahre ohne. Hier ein paar, zufällig ausgewählte, Bilder aus der Mauerzeit und ein paar aus der Zeit danach: Edit: es gibt verschiedene Darstellungen die Zahl der Tage betreffend. Wenn ich Zeit habe, werde ich es nachrechnen. Es sind also seit dem 13. August 1961 20.630 Tage vergangen. Die Hälfte wären also 10.315. Jedoch funktioniert die Rechnung nur, wenn man den 9.11.89 als letzten Tag mit und als ersten Tag ohne Mauer rechnet.

Lese-Tour(en)

Nur noch wenige Stunden bis zu meiner ersten kleinen Lesetour. Für alle, die´s noch nicht wussten: Ich lese drei Abende aus meinem Hauptstadt-Thriller „Genquotient 8713“. Hinterher gibt es jeweils die Möglichkeit, mein Buch zu kaufen und es von mir signieren zu lassen. Gern schreibe ich persönliche Widmungen nach Wunsch! Der Eintritt ist bei allen kommenden Lesungen frei. Man zahlt, um zu gehen (Spenden-Box für den/die KünstlerInnen). Hier nun die folgenden Termine:

Dienstag, 30. Januar, 20 Uhr: Kaffeeschuppen Halle

Mittwoch, 31. Januar, 19.30 Uhr: brandmarken Jena

Donnerstag, 01. Februar, 20 Uhr: Tikolor Erfurt.

Nach meiner Tour geht´s natürlich weiter mit Lesungen. Fest stehen:

Mittwoch, 14. Februar, 20 Uhr, Periplaneta Berlin, gemeinsame Krimi-Nacht mit Stephan Hähnel und Marin Loha,

Samstag, 17. Februar, 20 Uhr, Bar-54 Potsdam

Freitag, 02. März, 20 Uhr,  Periplaneta Berlin, Zusatz-Termin zur ausverkauften Premiere-Lesung!

Geplant sind Lesungen in (tba): Magdeburg, Halbstadt, Wernigerode, Bad Kösen, Weimar, Wetzlar, Leipzig, Dresden, Augustusburg, Chemnitz u.a.

Ich freue mich auf alle Begegnungen, interessante Gespräche, Kritiken & Meinungen!

Paradiesisches Kunstwerk

Er war schon Packer, Krankenhausseelsorger, Bibliothekar. Schriftsteller und Journalist ist er immer noch – beides mit Leib und Seele. Vier Romane und anderes stehen bereits auf der Agenda von Andreas Montag, nun hat sich ein Gedichtband eingereiht. Paradies heißt das edle Werk, das nicht nur Montags ausgesuchte Gedichte aus fünf Jahrzehnten zeigt, sondern auch dazu passende Linolschnitte der französischen Künstlerin Hélène Habbot Bautista. Vorgestellt haben die beiden das Buch gemeinsam mit Verleger und Drucker Hendrik Liersch in dessen Kreuzberger Druckerei. Ein wunderbar passender Rahmen für eine Lesung. Und so versammelten sich am Sonnabend Autoren, Künstler und Freunde, um den erlesenen Worten Montags zu lauschen und sich gleichzeitig an den Linolschnitten zu ergötzen. Die schwermütigen Kleinode Montags sackten tief und hinterließen ihre Spuren beim Publikum. Verse, die in Erinnerung bleiben und das Verlangen der Wiederholung in sich tragen. Zusammen mit den Linolschnitten ein echtes Kunstwerk eben, den Künstlern angemessen. Abgerundet hat den Abend der Magdeburger Martin Müller auf seinem Akkordeon.

Andreas Montag, Paradies, Künstlerbuch mit elf mehrfarbigen Linolschnitten von Hélène Habbot Bautista aus Frankreich, 22 nummerierte und signierte Exemplare, Handbindung von Stefan Cseh, 300 Euro; Volksausgabe 30 Euro. Erschienen bei Corvinus Presse.

 

 

Zehn Jahre berlinpankowblogger

Irre. Unglaublich. Nicht zu fassen. So etwa dachte ich neulich, als mir bewusst wurde, dass mein Zehnjähriges näher rückt. Nun ist es soweit: Heute vor zehn Jahren ging berlinpankowblogger online. Wahnsinn. Zehn Jahre, in denen viel passiert ist in der Welt, in Deutschland, in Berlin. Zehn Jahre, in denen sich mein Blog entwickelt und gewandelt hat. Bevor ich anlässlich dieses Jubiläums ein paar Statistiken posten möchte – Vielen Dank allen Lesern und besonders den Stammlesern, die mir die Treue gehalten haben!

Zehn Jahre berlinpankowblogger – das sind knapp 400.000 Besuche, also im Schnitt etwa 40.000 pro Jahr. Wobei es klein anfing. 2007 freute ich mich über 1843 Besuche, ein Jahr später waren es schon 18.738. So steigerte sich das weiter bis zu 80.000. Pro Tag kommen hier zwischen 150 und 500 Leser vorbei. Ich habe 1307 Beiträge verfasst, eine Liste der Top 10 steht unten. Wie viel ich inzwischen über Reisen poste, zeigt die Topliste der Suchwörter, mit denen mein Blog gefunden wurde: Platz eins geht an New York (12.159 Suchanfragen), zwei an San Francisco (6108), Rang drei an „Regenbogen“ (3045). Insgesamt gab es 175.432 Suchanfragen im Netz, die hier endeten.

"New York" - über 12.000 Leser fanden mit diesem Suchwort zu meinem Blog

„New York“ – über 12.000 Leser fanden mit diesem Suchwort zu bpb

In den Jahren habe ich insgesamt fünf Designs bzw. WordPress-Themes ausprobiert, das aktuelle gibt es jetzt unverändert seit sieben Jahren. Ich habe 943 Follower, die Hälfte hier per RSS-Feed, die anderen bei Facebook und Twitter.  Als ich anfing, hieß das noch Weblogbuch und eigentlich sollte Block330 mein Hauptblog werden. Nun, es ist anders gekommen. Zu meiner Medien– ähm Blog-Gruppe gehören außerdem noch der berlinpankowknipser und seit einem Jahr das Online-Magazin Yachtblog – mein neuestes Projekt, das ich gemeinsam mit einem Freund betreibe. Hier aber nun ein Prosit! sowie die Top 10 der bpb-Leser:

  1. Kannst Du „Als ich wie ein Vogel war?“
  2. Freitags
  3. Kasse mit 465
  4. Ins linke Licht gerückt
  5. Als Penner
  6. Food Koop – Shoppingparadies & Arbeitshölle
  7. Radulf-Kevins Kinderkotze
  8. …und keiner fragt nach Bruno Gröning
  9. Badekappe Pflicht
  10. Ich bin so wild nach deinem Erdbeerhof

Erinnerungen an die Zukunft

bpb_neues_jahrBei mir sind es die schönen Erinnerungen, die mich immer wieder positiv in die Zukunft schauen lassen. Nicht der Glaube, sondern die Überzeugung, dass sich die guten Ereignisse der Vergangenheit wiederholen werden. So oder anders, das ist egal. Wichtig ist, dass wir weiterhin die Zeit für jene Menschen und Dinge haben, die uns wichtig sind. Zeit, die man sich manchmal auch nehmen muss. Manchmal reicht ein Lächeln, eine Berührung, ein Wort. Es müssen nicht immer die großen Gesten sein. Dazu noch das Wissen, dass Freundschaft auch weiterhin zählt, dass man sich auf jene verlassen kann, die einem viel bedeuten. Hat man das alles, ist man reich. Ich hab es. Das bedeutet Glück. Glück und Gesundheit wünsche ich allen Freunden und Lesern!

Der Medien neues Sprachpräkariat

herzlos_01Dass die Frage- statt der Feststellung zum guten Ton gehört, kann und will ich nicht akzeptieren. Nicht nur, das es sich immer wieder gräulich anhört. Geschrieben zeigen diese Fragen  noch mehr ihre Nähe zum Sprachpräkariat (SPP), wo solcherlei herkommt. Die berühmteste kennt jeder: Wie geil ist das denn? Nicht sehr, finde ich. Wenn auch der Duden inzwischen neben der klassischen Bedeutung „(oft abwertend) gierig nach geschlechtlicher Befriedigung, vom Sexualtrieb beherrscht, sexuell erregt“ eine weitere hinzugefügt hat: (salopp) in begeisternder Weise schön, gut, großartig, toll. Mal ganz abgesehen von der im Duden genannten landwirtschaftlichen Geilheit, die einen zu stark gedüngten Boden oder wuchernde Pflanzen beschreibt…

Nein, es geht hier um die Fragestellung, wo es doch eine Feststellung sein sollte. Man könnte ja schreiben: Das ist geil. Das ist schön. Oder auch Das ist Herzlos. Wobei wir beim Thema wären. Sich in derart Fällen des SPP zu bedienen,  finde ich nicht nur überhaupt nicht geil, sondern sprachgestört und unschön noch dazu. Besonders, wenn dies in Medien auftaucht oder von mehr oder weniger angesehenen PolitikerInnen verwendet wird. Wie herzlos ist das denn? titelte jüngst die Mitteldeutsche Zeitung online zu einer Geschichte, bei der ein Junge mit Tierallergie ein Flugzeug verlassen musste (statt des Hundes). Damit nicht genug, bedient sich die MZ auch noch einer weiteren Floskel, die sich ebenfalls aus dem SPP ins Deutsch der (Ein)Gebildeten geschlichen hat: geht mal gar nicht. Ja, da habt Ihr Recht: das geht mal gar nicht.

herzlos_02Da bleibt einem nicht nur die Spucke weg, sondern das macht einen schon ganz schön sprachlos. Eine Hoffnung bleibt: Möge spuk ein unterbezahlter Online-Praktikant sein. Sollte sich jedoch hinter jenem Kürzel spuk ein(e) ausgebildete(r) Redakteur(in) verbergen, wäre das nicht nur gruselig, sondern könnte den Verdacht erwecken, man wolle sich dem SPP annähern. Was wiederum andere unschöne Fragen aufwerfen würde. Und weil es so schön doof aussieht, gleich noch ein Beispiel für blöde Fragen:

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